Bayernliga-Handball: VfL Günzburg – TV Erlangen-Bruck

Das Spitzenspiel als Momentum nach sechs Spieltagen zwischen dem Dritten VfL Günzburg und dem verlustpunktfreien Tabellenführer TV Erlangen -Bruck ist nur der Höhepunkt eines imposanten Günzburger Heimspielwochenendes. Welch ein Angebot am Samstag: Zuerst Damen-Landesliga (15.30 Uhr), dann kommen die Jung-Löwen in der JBLH (15.30 Uhr) und zum Abschluss: Das Spiel der Spiele in der Bayernliga. Und Sonntag? Geht es hoch attraktiv weiter u.a. das B-Jugend-Bayernliga-Derby gegen den TSV Niederraunau vor zwei BOL-Spielen. Wer kann so ein Programm schon bieten? Die Rebayhalle ist nicht mehr nur Ort schönster Europapokal-Vergangenheit, sondern auch eine ganz aktuelle, stolze Handballhochburg..

An so einem Handball-Wochenende muss natürlich auch das Drum-Herum passen. Schon traditionell zu den Herbstferien wurde eine Freikarten-Aktion gestartet. 500 Billets gingen an Günzburger Vereine und Schulen, quasi als Ferienevent. Damit es beim Bayern-Liga-Kracher ordentlich scheppert, kommen erstmals nagelneue Klatschen zum Einsatz. Gleich 5000 Stück stellten großzügige Team-Sponsoren zur Verfügung. Pünktlich zum drohenden Wintereinbruch wird erstmals in der Saison der VfL-Schal verkauft und für die Galerie soll es eine rote Wand werden, die den Spitzenreiter empfängt. Die Fans werden gebeten in Rot, der knalligen Vereinsfarbe zu kommen. Farbe bekennen ist wichtig, wenn der mittelfränkische Brocken in die Halle dringt.

TV Erlangen-Bruck gehörte schon letzte Saison zum Besten der bayrischen Eliteliga. Jäh und unvorbereitet wurden dem Traditionsverein im Schatten des alles auffressenden Erstligisten HC Erlangen 2017 Punkte abgezogen. Rein formal kam es bei den ausufernden Sonderspielberechtigungen zu einem Lapsus, Unsportlichkeit und Vorteilsnahme unterstellte niemand. Da derartige Mängel leider nicht nachträglich heilbar sind und der BHV unbedingt recht haben wollte, blieb es nach einigen Rechtsinstanzen und vielen Anwaltsschreiben bei den Punktabzügen. Urplötzlich befand sich ein Spitzenteam in Abstiegsgefahr. Erst ganz am Saisonende war alles wieder gut.

Ein Glücksfall für die Liga. Denn mittlerweile haben sich die Brucker zum Favoriten gemausert. In einer so ausgeglichenen Liga muss man noch abwarten wohin die Reise der Vereine wirklich geht. Der Gesamtauftritt der Mittelfranken ist allerdings jetzt schon spitzenmäßig. Hintereinander wurden die beiden Top-Meisterschaftsfavoriten DJK Waldbüttelbrunn und TSV Friedberg in die Schranken verwiesen und davor der starke Aufsteiger TSV Ottobeuren mir sage und schreibe 47:27 gedemütigt. Die Geheimnisse liegen vor allem im besten Umschaltspiel der Liga; mit Philipp Hirning verfügen sie über einen wahren Antreiber. Etliche Akteure verfügen über eine HC-Erlangen-Vergangenheit, wo man das Handball-ABC seit Jahrzehnten mit am besten lernt. Auf der Königsposition verfügen sie mit Steffan Mayer über den Führenden der Torschützenliste: Acht Tore im Schnitt, wobei viele Siebenmeter darunter sind, weist die Statistik aus. Insgesamt kein typischer Torjäger, sondern eher ein feinsinniger Techniker, der seine Nebenleute, davon hat er viele gute, geschickt in Wurfposition bringt.

Der VfL Günzburg freut sich arg nach der letztjährigen Zittersaison das Spitzenspiel der Bayernliga an diesem Wochenende ausrichten zu dürfen. Alles war im Nachhinein lehrreich und es wurden ganz offensichtlich die richtigen Schlüsse gezogen. Trainer Hofmeister sieht seine Schützlinge nicht einmal als Außenseiter: “An der Niederlage in Lohr waren wir selbst schuld. Sie war unnötig”. Alle anderen Spiele waren ergebnis-orientiert in Ordnung, besonders die Krisenresistenz in schwierigen Situationen war beeindruckend. Pünktlich zum schönen Handballwochenende kehrt mit Niko Hermann ein wichtiger Abwehr- und Gegenstoßspieler ins Team zurück. Das erhöht die taktischen Möglichkeiten. Auch die Verletzung von Pascal Buck stellte sich als nicht so schwerwiegend wie vermutet heraus. Der wurfgewaltige Linkshänder läuft schon wieder. Die Handballhochburg soll erfolgreich verteidigt werden. Schließlich sieht der Drei-Jahres-Plan in der zweiten Bayernliga-Saison u.a. keine Heimniederlage vor.

Bayernliga-Handball: TSV Lohr – VfL Günzburg

Nach einem kampfbetonten Spiel verlor der VfL Günzburg beim TSV Lohr mit 22:24 (10:12). Damit steht am sechsten Spieltag auch die erste Niederlage für die Schwaben in der noch jungen Saison 2017/2018 fest.

Obwohl beim TSV Lohr mit seinem begeisterungsfähigen Publikum eine tolle und sehr freundliche Atmosphäre herrscht, gab es noch vor dem Spiel einige Aufregung. Zuerst drohte der engagierte Hausmeister damit die Begegnung platzen zu lassen, weil sich die VfL-Spieler nach der langen Busfahrt traditionsgemäß im Freien einliefen um frische Luft zu tanken. Eine lückenlose Beweisführung, dass dies in Jogging- und nicht in Hallenschuhen geschah, trug sehr zur Deeskalation der Gesamtsituation bei. Als nächstes meinten die Schiedsrichter, dass Harzverbot herrsche. Da wird der VfL-Handballer schnell kreidebleich. Aber auch das stellte sich Sturm in der Harzdose dar.

Dann ging es in den richtigen Schuhen und mit viel Harz endlich los. Den besseren Start erwischten die Gastgeber. Gestützt auf ihren überragenden Torwart Tamas Szabo führten die Unterfranken mit 3:0 in der gut gefüllten Spessarttorhalle. Erst in der achten Minute gelang Spielmacher Nico Jensen der erste VfL-Treffer. Der zähe Auftakt zeigte die Tendenz. Die Defensivreihen sollten das Spiel bestimmen. Günzburg mit großem Laufaufwand, die TSV Spieler stoisch und einfach riesig. Optisch macht die Innenverteidigung einiges her.

Günzburg kämpfte sehr, wohlwissend dass eine sehr lange Heimfahrt nur mit Punkten so richtig Spaß macht. In der 21. Minute schaffte Pascal Buck den ersten Ausgleich zum 8:8. Gute Laune verbreitete sich da bei den mitgereisten VfL-Fans. Leider schied der Linkshänder danach verletzt aus. Einiges musste umgestellte werden. Hinzu kamen zwei Zeitstrafen – unnötig, außerhalb der Innenverteidigung. Unruhe kam im VfL-Plan auf, die engagierten Gastgeber nützen die inneren Unstimmigkeiten und gingen mit 12:10 in die Halbzeit.

Die Pause tat gut, manches konnte neu justiert werden.

Ausgeglichen wog das Geschehen nach der Pause  hin und her. Beim 14:12 auf der Anzeigentafel sollte das Spiel kippen. Dennis Mendle gab in dieser Phase seiner Mannschaft großen Rückhalt. Ein schwäbischer Viererpack besorgte das 14:16. Die Auszeit von Trainer Bernd Becker half noch nicht. 14:17 – mucksmäuschenstill wurde es in der Halle. Alles sprach nun für die Weinroten, selbst die gegnerische Körpersprache. Doch sie hatten einen Trumpf, Torwart Tamas Szabo, der beste Mann auf dem Platz. Nichts ging vorübergehend im Lohrer Angriff. Noch zweimal kamen die Spieler aus der Legostadt frei zum Wurf. Doch der Ungar hielt. Anstelle den Vorsprung zu vergrößern, kam der TSV kampfeslustig und abwehrstark zurück. Viele Zeitstrafen gegen “Axel Leix & Co” erschwerten die innere Spielordnung, Geneigt waren die Schiedsrichter einer offensiven Deckung nicht; was zu ertragen ist. Bei all der Balgerei muss dann eben  noch sauberer verteidigt werden, das gelang nicht. Das Spiel kippte erneut. Nico Jensen, der sehr die körperliche Auseinandersetzung gegen die Hünen suchte erzielte beim 18:19 die letzte Führung. Zweimal traf der achtfache Torschütze Bohuslav Zeleny; einmal Ferdinand Schmitt. Harter Männerhandball: Jähes  21:19. Michael Jahn konterte auf 21:20-Tuchfühlung in der 52. Minute. Noch drei VfL-Zeitstrafen, eine für Lohr. Beide Teams gaben nun alles für ihre Farben. Der Rhythmus blieb: Die Lohrer gaben zwei vor, die Günzburger kamen auf eines heran. Sollte es wieder ein Happy-End wie in allen Spielen davor geben. Nein!

Entscheidungsreife war 32 Sekunden vor Schluss. Es stand 23:22. Der beste Lohrer Angreifer Zeleny trat zum Siebenmeter an und traf sicher. Der VfL musste nach einer erneut aufopferungsvollen Leistung mit einer 22:24-Niederlage im Gepäck die Heimreise antreten.

Es spielten: Bieber, Mendle; Knittl (5), Guckler, Jahn (3), Buck (3), Leix, Hermann J., Groß (2), Jensen (3), Lehr (3/1); Scholz (3) und Hermann N..

Bayernliga: TSV Lohr – VfL Günzburg

Am Samstag um 19.30 Uhr treten die Günzburger Bayernligahandballer in der Lohrer Spessarttorhalle an. Da dürften bei Trainer Hofmeister gleich einige Erinnerungen wach werden. Noch zur VfL-Zweitligazeit gehörte der TSV Lohr zu den besten bayrischen Jugendhandball-Adressen, dort wurde um die Kees-Brüder auch die letzte Günzburger Bayrische A-Jugendmeisterschaft errungen. Später spielte der TSV jahrelang um die ungarisch-fränkische Handballlegende Janos Wagenbach in der 3. Liga, der damaligen Regionalliga, in der Stephan Hofmeister fünf Jahre lang den TSV Langenau betreute.

Mit den Vereinen der Vergangenheit hat beiderlei Werfen nichts mehr tun. Arge Durststrecken, besonders beim Zwangsabsteiger VfL Günzburg liegen dazwischen. Hinüber gerettet ist jedoch die stolze Tradition. Das wirkt sich positiv auf das Publikum aus: Jung und Alt bilden hier wie dort eine lautstarke Kulisse, Dankbarkeit ist zu spüren, dass endlich wieder was los ist. Vor diesem Wissenshintergrund wundert es auch nicht, dass letzte Saison just in der Rebay- und in der Spessarttorhalle mit Abstand die meisten Zuschauer das muntere Ball-Treiben verfolgten.

Personell könnten die Wege nicht unterschiedlicher sein. Bei den Schwaben hat vieles mit der ersten JBLH-Euphorie zu tun als endlich  wieder das “Zauberwort” Bundesliga im schwäbischen Barockwinkel fiel und dem gelungenen Zusammenführen mit einem BOL-Kader, von dem Kapitän Axel Leix der letzte Handball-Mohikaner ist. In Unterfranken wurde geduldige, sehr aufwendige Personalpolitik in eine ganz andere Richtung betrieben. Am Main sieht man, dass Europa zusammen wächst: Zwei Tschechen, zwei Ungarn, ein Slowake und ein Lette gehören zum festen Inventar der Mannschaft. Das klingt einfach, ist es aber nicht: Arbeitsplätze, Wohnungen müssen gefunden werden. Mit jedem Neuzugang muss sich die Gruppe neu finden. Schon äußerlich macht “Team Lohr” einen gewaltigen Eindruck. Breit und vor allem hoch ist die Mannschaft. Höhe könnte ein Auswahlkriterium gewesen sein. Dem eher klein gewachsenem VfL-Rückraum dürfte es samstags am Durchblick bis zum Tor fehlen, lediglich Pascal Buck und Michael Jahn sind über Abwehr-Brusthöhe und können zwischen den Köpfen den Riesen dahinter, nämlich Torwart Tamas Szabo, sehen.

Womit wir aber wieder zu den Gemeinsamkeiten kommen. Letzte Saison spielten beide Teams sehr lange gegen den Abstieg. Die “lohrerhandballer”, wie sie sich auf ihrer Homepage nennen, befreiten sich mit einem hohen Heimsieg gegen den VfL aus dem Ärgsten. Nervös war der VfL Günzburg damals nicht, die Jungs haben Nerven aus weinrotem Stahlseil. Oft genug haben sie das bewiesen. Übermotiviert wollte man damals das Abstiegsgespenst vertreiben. Nach dem Spiel blieb nur noch die Hoffnung auf Coburg II.

2017/2018 läuft es in beiden Handballhochburgen gut. Der Mannschaft um Trainer Becker klebte letzte Runde ein unglaubliches Verletzungspech nicht nur an den Händen, besonders Kniee waren betroffen. Schon als gegen Rundenende einige Verletzte zurückkehrten, wurde wieder gewonnen. Das junge VfL-Team brauchte nach dem Landesliga-Durchmarsch ein Jahr der Anpassung an die neue Handball-Höhe.

Beide Teams befinden sich in Top-Form. Der Gastgeber holte im Unterfranken-Derby beim hohen Meisterschaftsfavoriten DJK Waldbüttelbrunn einen Punkt und zwang davor den TSV Friedberg am Ende des Mains in die Knie. Der VfL verlor gar dank ausdauernder Kampfeslust noch gar kein Spiel. Viel Selbstvertrauen trifft da samstags aufeinander.

Erfreuliches gibt es von den Verletzten zu berichten. Niko Hermann wird aktuell ins Mannschaftstraining reintegriert, während Patrick Rösch und Daniel Jäger vorsichtig dosiert parallel Aufbautraining betreiben.

Zur Unterstützung der Mannschaft wird ein Fanbus eingesetzt. Abfahrt ist um 14.30 Uhr vor der Rebayhalle. Es sind nur noch wenige Plätze frei, deswegen unbedingt bei Familie Groß oder Dieter Pohl anmelden.

Bayernliga-Handball: VfL Günzburg – SG DJK Rimpar 2

Der VfL Günzburg gewinnt sein Heimspiel gegen die SG DJK Rimpar 2 überlegen mit 28:22 (15:8) und bleibt damit in der bayrischen Eliteliga weiterhin ungeschlagen . Vor dem Spiel rätselten die VfL-Verantwortlichen warum die Zweitliga-Reserve nach starkem Siegesauftakt in Unterhaching urplötzlich unter die Räder kam und zwei Begegnungen deutlich verlor. Ein paar Spieler haben einfach aufgehört, andere wechselten die Farben, Vereinstreue spielt im bayrischen Spitzenhandball-Norden eine untergeordnete Rolle. Dort gibt es einen Wettbewerb der noch besseren Gesamtkonzepte. Außerdem fehlte dieses Mal mit Philipp Mayer auch noch der Top-Scorer.

Schmälern soll das die Leistung des VfL Günzburg allerdings nicht, die ersten fünf Spiele wurden von genau 10 Feldspielern absolviert. Keine andere Mannschaft wurde so vom Verletzungspech überrascht wie die kampflustigen Schwaben. Die Stärke scheint das Spielsystem zu sein. Jeder Einzelspieler hat es verinnerlicht und kann darin fast jede Position spielen. Diesmal durfte Youngster Jakob Hermann am Kreis ran um Axel Leix zu entlasten und auch dieser Schachzug gelang problemlos.

Den ersten Treffer erzielte Jonas Lehr. Jonas Lachmann, ein groß gewachsener Hüne im Rimparer Rückraum glich dies und kurz darauf zum 2:2 angriffswendend aus. Dann stand die VfL-Deckung, ebenfalls in neuer Formation mit Raphael Groß als vorgezogenen Störenfried und Michael Jahn im hinteren Zentrum. Mit einem Höllentempo ging es zum Gegenstoß und auch Pascal Buck hämmerte mittlerweile schon gewohnt aus dem Rückraum. 4:2 und 8:4 lauteten die Zwischenstände. Die VfL-Youngster blieben am Drücker. Es waren die Minuten der letztjährigen Bayernliga-A-Jugend. Linksaußen Jonas Guckler erzielte aus spitzem Winkel vier blitzsaubere Tore und Rückraumtalent Jakob Hermann markierte in Unterzahl das sauber heraus gepielte 15:8 vom Kreis. Gleich danach wurde gewechselt.

In Kabine erklärte Stephan Hofmeister seinen Schützlingen, dass man am Montag sage und schreibe 8:2-Punkte schwarz auf weiß in der Günzburger Zeitung lesen könnte. Eine mehr als verlockende Aussicht nach den tristen Erfahrungen des Vorjahres. Da die Weinroten begeisterte Zeitungsleser sind, spornte sie das natürlich an. Wie die Freiwillige Feuerwehr Günzburg kamen die Spieler um Axel Leix aus der Kabine. Arg wurde auf das Tempo gedrückt: Wieder ein Unterzahltor zum 16:8, schnell stand es 20.12. Verwundert mag sich manch Zuschauer an die oft aussichtslosen Bayernliga-Kämpfe vom letzten Jahr erinnert haben, als ständig irgendwelche Goliate zu Besuch kamen. Die Davide der Saison 2016/17 sind an der Aufgabe mächtig gewachsen und fühlen sich in zweierlei Hinsicht aktuell riesig.

Die Rimparer Reserve ließ sich aber nicht beeindrucken. Angetrieben von ihrem Spielmacher Jonas Paul, der einige Drittliga-Erfahrung aus seiner Zeit in Rödelsee vorweisen kann und insgesamt sieben Treffer erzielte häuften sich die Chancen der Franken wieder. Sehr zum Leidwesen von Torwart Patrick Bieber, der sich erneut als Siebenmeterkiller präsentierte und urplötzlich vor einem offenen Scheunentor stand. In Hochrechnung eines deutlichen Sieges ließen die Günzburger ein wenig nach. Mehrfach kam der schon besiegte Gegner auf drei Treffer heran. Es fehlte die Gefahrensituation. Die VfL-Spieler sind Kämpfer. Die nahe Aussicht auf den Sieg nimmt dem Kampf die Grundlage. Diesmal ging das Nachlassen gut, immer wieder wurde in entscheidenden Momenten das richtige gemacht. Oft war es in dieser Halbzeit Jonas Lehr als feinsinniger Siebenmeterwerfer oder antrittsschneller Gegenstoßspieler. Am Ende stand ein ungewohnt sicherer 28:22-Sieg auf der Anzeigentafel. Trainer Hofmeister glaubt diese Saison noch nicht, dass sich die Zuschauer daran gewöhnen dürfen.

Es spielten: Bieber; Mendle; Knittl (3/1), Guckler (4), Jahn (1), Buck (5), Leix (2), Hermann (3), Groß, Jensen (2), Lehr (6/2) und Scholz (2).

Bayernliga: VfL-Günzburg – SG DJK Rimpar II

Schon ein wenig stolz laden die VfL-Verantwortlichen zu ihrem großen Heimspielwochenende. Wie in einem fein dekorierten Schaufenster dürfen die Günzburger Handballer ihr ganzen Leistungsvermögen präsentieren. Samstag erst das JBLH-Spiel, dann Damen I und zur allerbesten Handballzeit um 19.30 Uhr das Bayernligaspiel gegen die SG DJK Rimpar ii. Gefeiert wird danach auf alle Fälle und sonntags geht das schöne Handballfest mit etlichen Jugend- und zwei BOL-Hits, darunter das Niederraunau-Derby weiter. Wer hätte das vor ein paar Jahren gedacht?

Fast wäre eine Erst-Liga-Reserve gekommen, denn nur ganz knapp scheiterten die Rimparer Wölfe in der vergangen Runde am Aufstieg in die 1. Liga. Die Rimparer Reservemannschaft hat es aber so oder so in sich, nicht nur deswegen nennen sie sich ein wenig furchteinflößend “Jungwölfe”. Ihre Entwicklungsgeschichte gehört zur einmaligen Gesamtentwicklung der DJK. Ein beschaulicher fränkischer Markt klopft ans Tor zur 1. Liga und spielt mit seiner Reserve in der bayrischen Eliteliga. Das ist ein Handballmärchen, das sich wegen seiner Unglaublichkeit nicht einmal zum Vorbild eignet.

Gestartet sind die Schützlinge von Jens Ullmann mit einem sehr souveränen Auftaktsieg in Unterhaching. 19:26 prangte es eher standesgemäß von der Anzeigentafel. Dann geschah Eigenartiges: Zunächst verloren die Rimparer völlig überraschend zu Hause mit 27:37 gegen Aufsteiger Ottobeuren, ehe man chancenlos in der Herzogstadt Friedberg mit 20:33 unterging: Das passt wenig zur unterfränkischen Handballsaga, in der überwiegend Heldenhaftes berichtet wird. Aus Friedberg war eine einfache Erklärung zu hören. Führungsspieler Andreas Paul, zu Saisonbeginn noch siebenfacher Torschütze konnte danach nicht so wie gewohnt. Damit war Top-Shooter Philipp Meyer, den die VfL-Spieler aus seiner JBLH-Zeit den Kronauer Junglöwen kennen, arg auf sich allein gestellt. Dem Wolf im früheren Löwenpelz fehlte sein Spielmacher merklich. Da Andreas Paul in Friedberg immerhin wieder mit einer Zeitstrafe statistisch auffiel, geht man beim VfL davon aus, dass nach einwöchiger RImparer Spielpause der Gast wieder in Bestbesetzung antreten kann. Zwar spielt die Rimparer Erste parallel, das beruhigt bei einem Spiel gegen eine Reservemannschaft immer, in der Vergangenheit war das interne Wechselei aber nicht sehr ausgeprägt.

Das Günzburger Bayernligateam ist mit seiner Handballwelt komplett zufrieden. Die erwarteten Fortschritte wurden gemacht und trotz harter Verletzungssituation und schwerem Auftaktprogramm steht die Mannschaft um die Spielmacher Raphael Groß und Nico Jensen ungeschlagen (!) im oberen Drittel. Das erforderte ungemeinen Einsatz eines jeden einzelnen Spielers, so dass Trainer Hofmeister die Trainingsbelastung in dieser Woche ein wenig zurück fuhr. Regeneration nach den Spielen ist aktuell wichtigster Trainingsinhalt, zumal das Bayernligateam personell auf sich allein gestellt ist.

Bei einem Handballfest muss natürlich dass Drumherum stimmen. Neben dem Sport ist es den VfL-Verantwortlichen um Iris Groß und Annette Fiegel-Jensen wichtig ein guter Gastgeber zu sein. So wird dann auch ab 15.00 Uhr gegrillt. Es gibt VfL-Burger. Ab18.00 Uhr wird im Foyer warmer Leberkäse kredenzt. Zur Halbzeit steht erneut das beliebte Frisbee-Spiel an. Ein Günzburger Weingeschäft stiftete die Preise, außerdem kann ein wohliger Fan-Schal gewonnen werden- zu  Beginn der kalten Jahreszeit neben zwei Punkten das beste für den Heimweg.

8:2 Punkte sind ein Traum. Man traut sich kaum das famose Zahlenverhältnis hinzuschreiben. Es liest sich schon in einem Vorbericht wunderbar. Nach dem Erwachen, da kann man nichts ändern, ist es mit dem schönsten Traum komplett rum. Beim Handballspiel ist das anders, 60 Minuten – zum fünften Mal hintereinander – wirklich ALLES geben, können genügen. Über jede Menge Unterstützung von der Tribüne würde sich die Mannschaft sehr freuen.

Bayernliga-Handball: TSV Haunstetten – VfL Günzburg

Goethes Faust fällt einem nach dem 27:27 (14:14) im Schwaben-Derby nicht sofort ein. Beim Blick auf die Tabelle möchte man den Moment allerdings schon kurz umarmen, länger festhalten und in Anlehnung an das Meisterstück schreiben: Oh Augenblick! Verweile doch, Du bist so schön.

Nach einem verbissen geführten Handballkrimi stehen mittlerweile 6:2-Punkte auf dem Konto. Der VfL ist trotz dreier Auswärtsspiele beim letztjährigen Zweiten, Dritten und Fünften komplett unbesiegt und hat bereits jetzt genau so viele Punkte errungen wie die gesamte vergangene Hinrunde als nur jähe 6:20-Punkte in der Tabelle geführt werden konnten. Über einhundert mitgereiste Günzburger Handballfans erlebten ein Wechselbad der Gefühle. Groß ist mittlerweile die Vorfreude auf die Schlussphase. Schon auf der Hinfahrt wurde launisch geflachst wie viele Tore diesmal wohl aufzuholen seien. Enttäuscht wurde das Publikum auch in dieser Hinsicht nicht von seinen Handballlieblingen.

Den ersten Treffer erzielte Michael Jahn, der erstmals in der noch jungen Saison in der Anfangsformation stand. Es sollte bei einer Top-Quote nicht sein einziges wichtiges Tor an diesem frühen Abend bleiben. Der TSV Haunstetten begann mit seiner offensiven Deckungsformation. “Krake” Stefan Tischinger mit seinen langen Fangarmen erschwerte die Passwege. Doch insgesamt zahlten sich die vielen Tests der letzten Jahre gegen württembergische Mannschaften aus, bei denen solche Varianten nicht ungewöhnlich sind. Immer wieder konnte frei abgeschlossen werden. 6:3 führten die Günzburger. TSV-Trainer Michael Rothfischer reagierte und stellte schnell von hoher Deckungskunst auf eine hundsgemeine 6:0-Deckung um. Obwohl dies den VfL-Rückraum sehr freute, gab ihm der Erfolg länger recht als es Stephan Hofmeister lieb war.

Die Gastgeber glichen durch einen ausgefuchsten Spielmacher Max Schnitzlein beim 8:8 die Günzburger Anfangsvorteile komplett aus. Durch einen präzisen Wurf von Jonas Guckler hielt das Unentschieden bis zum 9:9. Mit einem Dreierpack enteilten die Haunstettener phasenweise. Günzburger Kampfeslust war geweckt, die erste kleine Aufholjagd wurde erfolgreich gestartet. Mit 14:14 wechselten zwei Teams, die beide unbedingt gewinnen wollten, nur scheinbar schiedlich.

In der zweiten Halbzeit begann ein recht ungemütlicher “Handball-Stellungskrieg”. Scharf schoss der Günzburger Rückraum, besonders Pascal Buck, der mit viel Trainingsfleiß einen riesen Sprung nach vorne gemacht hat. Doch umgekehrt tankten sich die ungemein schnellkräftigen Horner-Brüder immer wieder kompromisslos durch. Beider Torhüter hatten es nicht einfach, ein erfolgreiches Zusammenspiel mit der Abwehr war kaum möglich. Neun Mal stand es allein im zweiten fetzigen Durchgang unentschieden. Manch Zuschauer sehnte sich nach einem gemütlichen Fußball-Null-zu-Null, bei dem schon mal was passieren könnte. Der VfL versuchte seinen Innenverteidigern wenigstens kleine Pausen zu geben. Die Umstellungen waren schwierig, manch einer fand sich auf ungewohnten Positionen. Jakob Hermann erzielte beispielhaft ein Tor von Rechtaußen und eines vom Kreis. Beim 23:23 war Ende der Ausgeglichenheit. Es wurde gekämpft und gekämpft. Weinrote Würfe verfehlten ihr Ziel. Linksaußen Markus Schaudt und Alexander Horner brachten ihre Farben gut fünf Minuten vor Schluss mit zwei Treffern in Führung. Pascal Buck erhielt eine Zeitstrafe – auch noch Unterzahl. Geht da noch was? Reichen die Energiereserven noch?

Ja!

Nico Jensen fasst sich ein Herz und wenig später verwandelt Stefan Knittl seinen fünften Siebenmeter. Leicht; fast spaßig sehen sie aus.  Nerven wie Drahtseil und viel Selbstvertrauen stecken dahinter – Ausgleich. Max Schnitzlein trifft und nährt die Hoffnung auf den ersten Heimsieg. Michael Jahn hämmert zum 27:27. Noch verraten wir nicht, dass er damit das erste und letzte Tor der Begegnung erzielte und damit auch die eigene Leistung krönte. Denn es war ja noch spannend zu spielen:

Fünfzig Sekunden verblieben den Augsburgern. Doch urplötzlich stand die VfL-Deckung. Das Team mobilisierte die aller letzten Reserven und kam noch einmal ein paar Sekunden in den Angriff. Eine Wurfposition konnte nicht mehr gefunden werden. Schlusspfiff – gerechtes Unentschieden.  Gefühlter Sieg. Die Freude war dennoch verhalten – zu abgekämpft waren die jungen Helden. Später folgte der berechtigte Stolz.

Es spielten: Bieber, Mendle; Knittl (7/5), Guckler (1), Jahn (4), Buck (6), Leix (1), Hermann (2), Groß, Jensen (4), Lehr, Scholz (2).

BAYERNLIGA-HANDBALL: TSV Haunstetten – VfL Günzburg

Am Samstag um 18.00 Uhr treten die VfL-Handballer beim TSV Haunstetten zum Schwabenderby an. Auch wenn die Damen des TSV letzte Runde aus der 2. Bundesliga abstiegen, bilden Haunstettener Männer- und Damen gesamt betrachtet Schwabens Nummer 1. Seit vielen Jahren spielen die Schützlinge von Stefan Ebert und Michael Rothfischer in der bayrischen Eliteliga, meist im Schatten der noch erfolgreicheren Damen. Obwohl nur der Klassenerhalt das Ziel war, kämpften sie sich letzte Saison in den Vordergrund als sie nach Anfangsschwierigkeiten in der Rückrunde 20:6-Punkte erkämpften. Ein noch besseres Teilergebnis erzielte lediglich die Übermannschaft der HC Erlangen.

Die Samstagsgastgeber verfügen über einen ausgeglichenen, seit Jahren eingespielten Kader. In der Abwehr ist die groß gewachsene “Krake” Stefan Tischinger der langarmige Mittelpunkt. Er steht weit vorgezogen und scheint die gegnerischen Abspiele magisch anzuziehen. Immer wieder gelingt es ihm den Spielaufbau zu stören oder gar Bälle zu “klauen”. Leichte Gegenstoßtore sind die unangenehme Folge. Im Angriff kam der Aufschwung mit den Horner-Brüdern. Um in der vierten Liga spielen zu können muss man ein sehr guter Sportler sein, Alexander und Max Horner gehören darüber hinaus zu seltenen Kategorie “besonders schnellkräftig”. Ansatzlos sind ihre Würfe und überraschend die Körpertäuschungen. Kein Wunder, dass diese Drei auch im Focus anderer Vereine stehen. Lange hielt sich das Gerücht Max Horner wechsle zum Drittligisten TuS Fürstenfeldbruck.

Die Vorbereitung lief durchwachsen, auf klare Vorbereitungssiege folgten auch Packungen. Im Pokal schied der Turn- und Sportverein gegen den Lokalrivalen TSV Friedberg aus. Obwohl der BHV-Pokal selten ernst genommen wird, das will kein Mensch in der schmucken Handballhochburg. Zum Saisonstart galten die Augsburger nach ihrem letztjährigen Rückrundenauftritt als der Geheimfavorit. Fulminant war dann der 26:32-Start beim heimstarken TSV Ottobeuren. Keine Chance hatte der heimstarke Aufsteiger. Es folgte zu Hause schon wieder gegen den TSV Friedberg eine “28:32-Watsch´n”, ein echter Stimmungskeller. Und danach wunderte die hohe 21:28-Niederlage bei der sehr starken DJK Waldbüttelbrunn eher nicht.

Der VfL Günzburg hat aus seiner misslichen Personalsituation das beste gemacht und bereits fünf ganz wichtige Punkte auf der Habenseite. Die Verletzungsprobleme entzerren sich nur langsam. Daniel Jäger wird 2017 ganz sicher nicht mehr eingreifen. Das hintere Kreuzband wird konservativ behandelt und wächst von selbst wieder zusammen. Das dauert. Niko Hermann braucht noch vier bis fünf Wochen. Entwarnung gab es bei Patrick Rösch. Immerhin kann er seine Torwartkarriere fortsetzen. Die Beinmuskulatur muss allerdings ganz langsam wieder aufgebaut werden.

Auf das Schwabenderby freuen sich die VfL-Spieler sehr. Zwar ist der VfL trotz des überraschenden Saisonstartes in der Bayernliga nur bei ganz wenigen Heimspielen Favorit, und reist als klarer Außenseiter in die Lechstadt. Der TSV Haunstetten muss gewinnen. Leicht gerät man in dieser ausgeglichenen Liga ins Hintertreffen. Nach den Punkten greifen wollen Axel Leix und sein Team trotzdem. Schließlich sind die Weinroten voller Kampfesfreude, sehr nervenstark und körperlich top-fit. Außerdem scheinen die Handballgötter gewogen. Auch das Auswärtsspiel der letzten Rückrunde schürt leise Hoffnungen: Trotz des damaligen Haunstettener Laufs gelang ein Unentschieden. Hätte damals auch niemand gedacht, so wie so oft bei dieser Mannschaft.

Ein Fanbus wird dieses Wochenende nicht eingesetzt, schließlich ist die Bezirks-Hauptstadt ja nur um die Ecke.

Bayernliga-Handball: VfL Günzburg – TSV Ismaning

Nach einem zähen 30.27 (15:12) beim Heimdebut gegen den TSV Ismaning starten die Günzburger Handballer mit 5:1-Punkten in die Saison 2017/2018. Angesichts des Auftaktprogrammes und der schwerwiegenden Ausfälle von Daniel Jäger, Niko Hermann und Patrick Rösch schon ein kleines Handballwunder. Da Daniel Jäger als der Dreh- und Angelpunkt des Spieles der vergangenen Jahre länger ausfällt, war es psychologisch immens wichtig, dass seine Teamkameraden so schnell wie möglich ohne ihn punkten. Das ist nun auswärts und daheim gelungen.

Bevor allerdings die Punkte gegen die Oberbayern auf der Habenseite verbucht werden konnten, war ein sehr hartes Stück Handballarbeit zu verrichten. Die Vorbereitung auf die Begegnung war schwierig. Ismaning war kein Konkurrent der letzten Jahre. Eine Spielaufzeichnung hatte man nur gegen eine ganz defensive Deckung, die der VfL nicht spielt. Viele Spieler der “Isis” sind verletzt, andere lange im Urlaub und schließlich waren just an diesem Wochenende wieder ein paar privat verhindert – Münchner halt. An der schwäbischen Donau wusste man nicht, was da aus dem Osten genau kommt. Die  angereiste Wundertüte war unangenehm kampfstark, suchte im Angriff jeden Zweikampf und ließ die VfL-Abwehrspieler vor den Augen von Oberbürgermeister Gerhard Jauernig das ein oder andere Mal schlecht aussehen.

Im Prinzip konnten sich die Weinroten nie richtig absetzen und so wurde es halt gut 10 Minuten vor Schluss noch einmal richtig eng.

Doch der Reihe nach:

Das erste Tor der Gäste erzielte der spätere siebenfache Torschütze Olaf Neumann, der die VfL-Defensive des Öfteren düpierte. Danach nahmen die Günzburger das Heft des Handelns in die harzigen Hände. Der Ball wurde von Raphael Groß schnell nach vorne getrieben, es wurde gefällig kombiniert und sich reichlich Torchancen erarbeitet. Beim 6:3 schien alles auf einem guten Weg. Besonders die Rückraumachse Scholz, Jensen und Buck strotzte vor Selbstvertrauen. Allerdings wurde die ein oder andere Großchance liegen gelassen u. a. drei Siebenmeter fanden nicht ihr sechs-Quadratmeter-großes Ziel. Das war der Unterschied zu den beiden Auftakt-Großtaten, da “schepperte” es bei nahezu jeder Gelgenheit.

Das Spiel plätscherte gefällig, doch mehr als drei Tore Abstand sollten es im ersten Durchgang nicht werden. Bei einem gerechten 15:12 wurde gewechselt. Bei der Bewertung der Defensivleistung wandte Cheftrainer Hofmeister erstmals in dieser Saison das didaktische Mittel des lautstarken Donnerwetters an. Heute wissen wir, dass auch das wenig Besserung brachte.

Auch im zweiten Durchgang bahnten sich die Oberbayern mit einfachsten Mitteln den Weg zum freien Wurf. Diesmal wurde nur wenig effektiv ausgeholfen, meist zu individuell gedeckt und die Zusammenarbeit in schwierigen Situationen zu wenig gesucht. Es blieb bei knappen Zwei- oder Drei-Tore-Führungen. Da die Abwehrfehler zusehends vermeidbar erschienen, auch eine Systemumstellung nichts brachte, kam Unzufriedenheit auf. Das lenkt vom Wesentlichen ab. Und so kam es wie es kommen musste:

Der zwölffache Torschütze Fabian Stoiber erzielte in der 47. Minute erst den Ausgleich und wenig später das unangenehme 23:24. Kurz darauf verwarfen die jungen Günzburger auch noch einen Siebenmeter. Die jähe Spielkrise, die der neutrale Zuschauer gerne als Spannung hoch wertet, war da.

Doch Leix & Co sind nervenstark. Rückstände in den letzten drei Spielen waren zuletzt Ansporn. So war es auch diesmal. In der 55. Minute drehte die Friedberger Fahrgemeinschaft das Spiel. Zuerst Stefan Knittl mit einem Gegenstoß und dann knipste Manuel Scholz. Er und vor allem Pascal Buck prägten den Günzburger Angriff der zweiten dreißig Minuten. Der Verein für Leibesübungen war wieder auf der Siegerstraße. Als Torwart Patrick Bieber nach sieben persönlichen Niederlagen gegen Fabian Stoiber den achten und entscheidenden Siebenmeter beim Stand von 27 : 25 parierte, war der Wiederstand der ungemein kampfstarken TSV-Spieler endlich gebrochen. Den Schlusspunkt setzte Jakob Hermann, der als Kreisläufer aus dem Rückraum bombte mit dem 30:27.

Ein hartes Stück Arbeit war erledigt.

Es spielten: Bieber, Mendle; Knittl (5/2), Guckler, Jahn, Buck (8), Leix (2), Hermann (1), Groß (1), Jensen (3), Lehr (2) und Scholz (8)

Bayernliga-Männer: VfL Günzburg – TSV Ismaning

Am Samstag um 19.30 Uhr empfangen die Günzburger Handballer Bayernliga-Aufsteiger TSV Ismaning zu ihrem Heimdebut. Weiterlesen

Bayernliga-Handball: TG Landshut – VfL Günzburg

Im Nachhinein kann man es ja schreiben: Schlimmer ging es wirklich nicht. Saisonstart beim letztjährigen Dritten und Zweiten, längerer Ausfall von Patrick Rösch und Niko Hermann, Jonas Lehr kehrte nach fünfwöchiger Verletzungspause just zum ersten Punktspiel ins Team zurück und zu “schlechter Letzt” reißt Daniel Jäger, dem einzigen Spieler, der im ersten Bayernligajahr der Konkurrnz so etwas wie Furcht einflößte das Kreuzband. Und das Alles bei genau 12 Feldspielern. Da könnte man schon ein wenig Herum-Jammern.

Nicht so der VfL Günzburg. Das Bayernliga-Team rückte enger zusammen. Die Vorbereitung war kein Leidensweg, sondern vermittelte Selbstvertrauen. Top-fit kann die Krise auf dem Spielfeld gemanagt wird.

Der 30:29-Auswärtssieg (Halbzeit: 12:11) war keine leichte Schauspielkunst. Es war ein fesselnder Niederbayernkrimi, kurz vor Schluss sah es für die tapferen Schwaben noch aussichtsloser aus als im Franken-Drama eine Woche davor. Doch der Hauptdarsteller, ein geschlossenes VfL-Team rettete nach einem Fünf-Tore-Rückstand mit dem Schlusspfiff zwei Punkte in den ausgebuchten Fansbus.

Manuel Scholz, ganz am Ende des Spiels der Held, hatte zunächst Pech mit seinen verzinkten Würfen, auch das nützte die TG Landshut zu einer 3:1-Führung. Angeführt von einem überragenden Spielmacher Nico Jensen, der ganz nebenbei auch noch 11 Tore erzielte, glichen die Weinroten bis zum 6:6 aus. Dann lagen die Vorteile bis zur Halbzeit bei den Günzburgern. Die erste Führung erzielte Rückraumbomber Pascal Buck zum 7:6. Beim 10:7 dachten der lautstarke VfL-Tross nicht nur an das schöne Halbzeit-Bier, auch leise Träume von launigen Siegessängen auf der Rückfahrt brachen sich Bahn. Das war zu früh. Die Turngemeinde wollte nach der knappen Auswärtsniederlage bei HaSpo Bayreuth die Heimpunkte behalten. Zum Seitenwechsel stand ein 11:12 auf der Anzeigentafel. Die Pause tat nach der Kämpferei tut. Besonders Kapitän Leix, der erneut für Drei spielte.

Entscheidungsreife war noch lange nicht. Der Krimi wurde noch spannender – kaum auszuhalten für eine engagierte Handball-Mama. In der 35. Minute erzielte Nicolai Jensen, der in dem Spiel so viel Handballspaß hatte wie weiland bei den JBLH-Endrunden in Baunatal, die vorerst letzte VfL-Führung zum 15:14. Das robuste Gastgeberteam übernahm nun das Heft des Handelns. Erst hart umkämpft. Es stand 17:17 und 18.18. Es war die Zeit, in der Abwehrspieler Pausen für den Enspurt brauchten. Zeitstrafen kamen dazu. Die Spieler der Turngemeinde spürten das Schwächeln, drückten aufs Tempo. Erste weinrote Felle schwammen auf der Isar. In der 45. Minute gerieten sie schon ein wenig außer Sicht. 24:19 vermerkte die umsichtige Sekretärin am Kampfgericht. Niko Hermann, der Cheftrainer Hiofmeister beim Coachen auf der Bank unterstütze, trieb die Seinen lautstark an. Pascal Buck lief zur Höchstform an. Jonas Guckler schraubte einen Hammer von Linksaußen ein. Jakob Hermann, der Allrounder im Team nahm in Abwehr und Angriff seine sage und schreibe dritte Position ein, so sehr musste an der körperlichen Grenze nach immer neuen guten Lösungen gesucht werden.

Der VfL kam näher, die Fans trommelten und pushten. Auch dort war das Team zu spüren. Julian Nief, aktuell beim HRW Laupheim, nützte sein spielfreies Wochenende um seine Handballfreunde zu unterstützen. Und selbst Daniel Jäger nahm mit Schiene den beschwerlichen Weg in die Bezirkshauptstadt auf sich. Die Schiene war notwendig, denn auch ihn hielt es nicht auf dem Sitz.

TG-Trainer Milan Sedivec reagierte und nahm den überragenden Pascal Buck in Manndeckung. Eigentlich eine gute Idee – doch nun hatte Manuel Scholz Platz. Vier Treffer erzielte er in den letzten zehn Minuten. 26:29 stand es in der 57. Minuten. Kommt man da noch einmal heran, kann man da noch irgendwie Punkt holen?

Man kann sogar gewinnen – ausnahmsweise, wenn die Handballgötter gewogen sind und wenn man sich bedingungslos traut.

Jensen, Jensen, Buck hießen die Torschützen. Zwanzig Sekunden vor Schluss: Unentschieden – der letzte Angriff. Prima – damit konnte man zufrieden sein. Doch nicht genug des Handballglücks: Zwei Sekunden vor Schluss. Manuel Scholz knipste. Hart war der entscheidende Wurf nicht, das Ding brauchte genau diese zwei Sekunden um den Weg über die Torlinie zu finden.

Pure, entfesselte Freude bei den Günzburgen, Schockstarre bei den Landshutern. Harter Handball!

Gefeiert wurde im Bus. Noch größer war jedoch die Vorfreude: Nach einem viertel Jahr Vorbereitung und zwei Auswärtsspielen darf am kommenden Wochenende endlich zu Hause gespielt werden.

Es spielten: Bieber, Mendle; Knittl (4), Guckler (1), Jahn, Buck (7), Leix, Hermann, Groß (1), Jensen (11), Lehr (1), Scholz (5).