Herren – Regionalliga
Mit 29:31 (12:17) entzauberte der TSV Allach die Günzburger Glücksritter. Schon seit dem Re-Start können die Weinroten nicht mehr an die beeindruckenden Leistungen des Jahres 2025 anknüpfen. Um in der bayrischen Eliteliga Spitzenleistungen zu erbringen muss Woche für Woche hart in Vorbereitungszyklen gearbeitet werden. Diese Routinen rissen ab Weihnachten. Da sind zum einen die üblichen Viruserkranken, die jede Mannschaft mal treffen. Hinzu kommen immer neue Aufgaben in und außerhalb des Handballes, die sich junge ehrgeizige Erwachsene aufbürden und zu Lasten der Regenerationskraft des Schlafes gehen. Völlig neu ist, dass der VfL Handball urplötzlich drei Wochen mitten in der Wettkampfphase aus der Halle gesperrt wird. Und Glück kann man nicht pachten: Schon die letzten drei Spiele gegen Mannschaften aus dem unteren Drittel hätten gehörig schief gehen können. Auf dieses Glück hatten sich die selbstzufriedenen VfL-Spieler wohl verlassen. Eine komplett ungeeignete Routine – dafür war der TSV Allach einfach zu stark.
Das Spiel begann im Modus aller weinroten Wunschvorstellungen. David Pfetsch und Nicolai Jensen erzielten die ersten Führungen zum 1:0 und 2:1. Nach dem 2:2 durch Spielertrainer Philipp Batzer, verwarf Gabriel Scholz den ersten von insgesamt fünf VfL-Siebenmeter. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch keiner der zahlreichen Zuschauer, dass hier erstmals der beste Spieler auf dem Platz, der Allacher Keeper, einer Wurfentscheidung seinen Stempel aufdrückte. Wenig später war er omnipräsent auf dem Feld und in den Köpfen, unglaublich wie viele klarste Torgelegenheiten er reihenweise entschärfte. Schon beim 6:6 musste allein deswegen eine ungewohnt frühe Auszeit genommen werden.
Es half nicht, im Gegenteil. Der TSV enteilte gestützt auf seinen vielarmigen Zerberus auf 6:10. Geplatzt war die Seifenblase vom gemütlichen Handballabend unter 500 wohlwollenden Handballfreunden. Ungemütlich war es in der eigenen guten Handballstube geworden. Die Allacher scherten sich nicht um wochenlanges Günzburger Glück und Tabellenausgangssituationen. Obwohl die Oberbayern in der ersten Halbzeit beständig zwei Spieler zwischen Angriff und Abwehr wechselten, bleib auch der VfL-Gegenstoß ein laues Lüftchen. Nichts mehr zu sehen vom Handballsturm des Jahres 2025. Wer selbstzufrieden ist, neigt bei „überraschender (?)“ Gegenwehr zum Hadern, denkt nach, wird zögerlich (…). Die mentale Abwärtsspirale endete nach 30 Minuten bei einem 12:17-Halbzeitstand.
Der Torwart wurde gewechselt. Julian Lohner parierte in der zweiten Halbzeit nun auch ein paar völlig „Freie“. Die Abwehr wurde umgestellt. Falls man überhaupt von einer Defensive sprechen kann, keine einzige Verwarnung, keine Zeitstrafe. Das dürfte Allach zusätzlichen Spaß gemacht haben. So gewinnt man einen Friedenspreis, zwei Punkte gibt es dafür im Männerhandball nicht. Die Gäste ließen wie eigentlich immer ein wenig nach. Noah Heisch traf sicher, wenigstens blieben Joseph Stotz und Nicolai Jensen mutig. Die Abwehr verrichtete mittlerweile stets friedvolle, fast nachweihnachtliche Schwerstarbeit. Alle sind so nett in Günzburg. Mit ein paar entschlossenen Stoppfouls wäre alles deutlich einfacher gewesen. In der 51. Minute gelang Daniel Jäger der 25:25-Ausgleich, kurz darauf David Pfetsch das 26:26.
Manch Zuschauer hoffte auf das übliche Happy-End. Jonathan Cremer wäre es für seine Abwehrleistung zu gönnen gewesen. Doch in dieser entscheidenden Phase stand Fortuna den tapfer kämpfenden Münchnern zur Seite. Manches Mal hatte die Günzburger Abwehr im letzten Moment doch noch „Pech“ oder ein Wurf landete am Innenpfosten. Doch das gehört eben auch zur Faszination einer Ballsportart. Der TSV ging wieder in Führung.
Alles wurde probiert: Einfache und komplette Manndeckung und so endete das Spiel mit einem verdienten 29:31 der guten Handballfreunde aus Allach. Vielleicht war es ja auch nur der notwendige Dämpfer, die aktuellen Rahmenbedingungen sprechen dagegen.
Hier geht es zum Spielbericht:
https://bhv-handball.liga.nu/cgi-bin/WebObjects/nuLigaHBDE.woa/wa/groupMeetingReport?meeting=8042567&championship=BHV+2025%2F26&group=437864



