Herren – Regionalliga
In einer komplett einseitigen Regionalligapartie unterlagen die Günzburger Handballer dem stark abstiegsgefährdeten TSV Haunstetten erstaunlich chancenlos mit 26:35 (9:14). Die VfL-Spieler wirkten müde und ohne jeden Focus auf die körperlichen Herausforderungen eines Regionalligaspieles. Mal wieder wurde ein Gegner aus dem hinteren Tabellendrittel oder in der Saisonvorbereitung gegen eine klassenniedrigere Mannschaft selbstgefährdend unterschätzt. Selbstgefällig halten sich die Günzburger für ein Regionalligaspitzenteam. Dafür ist die durchschnittliche Leistungsfähigkeit viel zu niedrig. Ein Spitzenteam sind die Regensburger Adler, die begeistert von ihrem eigenen Leistungsvermögen von Sieg zu Sieg stürmen und an diesem Wochenende beim heimstarken TSV Allach mit 26:48 gewannen. So spielt eine Spitzenmannschaft!
Der VfL hatte auch gegen diesen Gegner verloren, auch wieder zu Hause, die früheren Günzburger Handballhelden vergeigten im neuen Jahr alle drei Heimspiele. Die mitreißenden Spiele in der Hinrunde gehören der Vergangenheit an. Viele Spieler hatten in den letzten Wochen einfach zu wenig Zeit für ihr liebstes Hobby. Neue herausfordernde Aufgaben außerhalb des Handballes sind hinzugekommen. Bei vielseitig Begabten ein Gang der Dinge und persönlich sehr erfreulich..
Das Spiel begann ausgeglichen, aber eben nicht so wie es sich die Spieler erhofft hatten. Bereits beim 4:5 durch den achtfachen Torschützen Felix Pfänder machte sich Unzufriedenheit breit. Die Gäste zerstörten entschlossen das VfL-Angriffsspiel, auch den Gegenstoß. Außerdem nervten sie die weinrote Defensive mit allen möglichen Varianten des „Siebten Feldspielers“: Der daraus resultierende hohe Komplexitätsdruck verlangt höchste Aufmerksamkeit. Schon im Hinspiel war eine der besten VfL-Leistungen gefragt, um in der Augsburger Albert Loderer Halle zu gewinnen. Ein Günzburger Zwischenspurt, kurz blitzte Gegenstoßspiel auf und es stand 8:5.
Das war es schon fast mit der weinroten Handballherrlichkeit an diesem Tag. Nach einem Siebenmetertor von Nicolai Jensen zum 9:7 in der 15. Minute, enteilten die Augsburger auf 9:14. Eine viertel Stunde kein Tor in eigener Halle gegen einen potentiellen Absteiger – auch hart. Es begann mit Fehlwürfen aus besten Positionen und kaum ein Durchkommen gegen die Gästedeckung. Viel zu pomadig, viel zu langsam wurde agiert. Wenn es im Angriff nicht läuft, dann geht den Spielern der Spaß verloren. Keine „Spitzenmannschaft“ kann sich das leisten. Die Abwehr wurde zum Scheunentor. Es macht Spaß gegen die Günzburger Innenverteidigung zu spielen, nur Beni Telalovic, Michael Jahn und manchmal Joseph Stotz packen zu. Der Rest ist vor allem fair, aber auch zu freundlich. Symptomatisch die erste Günzburger gelbe Karte erhielt Youngster Lenny Wulz in der 17. Minute. So kann man in einem Derby nicht verteidigen.
Der Fünftore-Rückstand zur Halbzeit wäre im Handball kein unlösbares Problem. Aber den Schalter umzulegen von der Erwartungshaltung: „Nach all dem Stress der letzten Wochen, endlich wieder ein gemütlicher Handballabend mit den Fans auf knallharte körperliche Arbeit schon. Diese Generation konnte das noch nie. Bei allen vergangenen Erfolgen hat sie auch Grenzen. Sie musste immer schon viel für den Erfolg arbeiten. Die ganze Trainingswoche und von der ersten Spielminute an.
Der TSV hatte die Lunte längst gerochen, Spaß am Zerstören – nur so kann man offensiv decken – blieb erfolgreiche Maxime. Gleich nach dem Wiederanpfiff mühten sich die Gastgeber. Allerdings ohne den erhofften schnellen Erfolg, was dann wieder der Theorie vom „schönen Samstagabend unter Freunden“ und der Tabellensituation widersprach. Keine Einstellung für ein Derby! Derbys waren schon immer so, auch damals als man mit dem SCI noch in BOL focht. Man hätte es wissen müssen.
Und so steuerten die Schützlinge von Trainer Christian Kofler auf einen ungefährdeten Sieg zu, der noch höher hätte ausfallen können. Erst ganz am Ende schuf sich manches Mal die Günzburger Spielbegeisterung des Jahres 2025 Platz, auch das lag an den Gästen.
Wie durch ein Wunder belegt der VfL Günzburg weiter den vierten Platz. Die Gäste sind durch ihren beherzten Auftritt bis auf sechs Punkte zum TSV Lohr und HBC Nürnberg, die die ersten Nichtabstiegsplätze einnehmen, herangerückt. Zurecht werden auch diese Vereine von der Günzburger Mannschaft enttäuscht sein.
Die Gesamtbelastung der Spieler hat sich noch einmal erheblich erhöht. Viele haben keine Freizeit mehr, davor war die Weihnachtspause ungewollt lange. Das Erfolgsmodell „Feierabendprofi“ ist aktuell nicht mehr haltbar. Eine Ausrede soll das nicht sein.
Hier geht es zum Spielbericht:
https://bhv-handball.liga.nu/cgi-bin/WebObjects/nuLigaHBDE.woa/wa/groupMeetingReport?meeting=8042575&championship=BHV+2025%2F26&group=437864


