Herren – Regionalliga

WOHNHZIMMER GECRASHED

Nach einer hart umkämpften Partie entführten die VfL-Handballer mit 24:26 (11:13) beide Punkte aus der Bayreuther Sporthalle Ost, die von den HaSpo-Verantwortlichen liebevoll euphemistisch als „Wohnzimmer“ bezeichnet wird, während manch Gegner dort schon die „Frankenhölle“ erlebt hat.

Gut ausgeschlafen, aber auch vorfreudig machten sich die Schwaben auf die weite Reise in die mondäne Wagnerstadt. Die Mannschaft um Daniel Jäger wollte dringend einen anderen Auftritt als beim Haunstettendebakel abliefern und sie hatte einen Joker an Bord. Yannick Meye, langjähriger Stammspieler. der vor zwei Spielzeiten zum Drittligisten Tus Fürstenfeldbruck wechselte. Er befindet sich ganz am Ende seines Medizinstudiums, das ihn im zurückliegenden Jahr erst nach Südafrika und danach nach Südtirol führte, wo er bei Handball Alperia Meran den gegnerischen Angriffsspielern, aber auch dem Ball nachjagte. Aktuell befindet er sich wieder an seinem Studienort Augsburg und so war von langer Hand geplant, dass er zum Saisonende seine alten Günzburger Handballfreunde unterstützt.

Sein Einsatz erwies sich als ein Gamechanger. Zum einen war er unbelastet vom bisherigen schwierigen Handballjahr 2026 und er ist halt schon ein riesen Abwehrvieh und Motivator. Nur Dank ihm konnte die Abwehr in einer einzigen Trainingseinheit, genau von Freitag auf Samstag umgestellt werden. Alles war irgendwie größer, für den Gegner auch dunkler und vor allem aggressiver.

Doch der Reihe nach:

Zunächst wurde vom Hallensprecher der designierte Oberbürgermeister der großen Kreisstadt Günzburg Michael Jahn und Stadtrat Patrick Bieber feierlich begrüßt

Maximilian Berthold erzielte die ersten beiden Tore für seine Farben. Der VfL tat sich im Angriff gegen die unangenehmste Deckung der Liga zunächst schwer und geriet mit 5:2 in Rückstand. Schon zu diesem Zeitpunkt deutete sich an, dass die VfL-Defensive vor einem starken Torwart Patrick Bieber bereit zum Bollwerk war. Vielarmig wurde agiert und hart gefightet. Der Gegner hatte sich wohl auch auf eine offensivere Formation vorbereitet. Die Franken rieben sich auf und der VfL kam besser ins Angriffsspiel. Jonathan Cremer gelang beim 6:6 der erste Ausgleich. Darauf folgte die beste Angriffsphase, hinter dem riesigen vorgezogenen Sven Goeritz wurden immer wieder freie Räume gefunden. Daniel Jäger traf zum 7:9, der achtfache Torschütze Nicolai Jensen zum 8:11 und Michael Jahn zum 10:13. Nachdem Beni Telalovic aufgrund einer Verletzung die Reise gar nicht mit antreten konnte, schied im ersten Durchgang auch noch der einzige Linkshänder Noah Heisch aus. Für ihn kam Leo Spengler, der besonders in der Abwehr ein riesen Spiel absolvierte. Gewechselt wurde beim Spielstand von 11:13. Die Vorteile wirkten weinrot.

In den zweiten dreißig Minuten agierte Sven Goeritz offensiver, das lähmte das VfL-Angriffsspiel. Advantage Bayreuth! Moritz Schmidt glich zum 13:13 aus. Beide Mannschaften taten sich immens schwer leichte Tore zu erzielen. Die Abwehrreihen drückten dem Spiel ihren Stempel auf. Einfach wurde es nur, wenn einer der beidseits erzwungenen technischen Fehler zu Schnellangriffen führte. Beim 19:16 schien sich der Bayreuther Heimvorteil durchzusetzen. Manuel Scholz, der bereits bei den Siebenmetern Nervenstärke bewies, griff zu einem seiner Kunstwürfe, wobei der Fachbegriff „Wurf“ dieser Mischung aus „Rollen, Drehen, aber auch Zwirbeln“ nicht gerecht wird. Oft ist für den Torwart die Wurfhärte das Problem, hier war es das Überraschungsmoment „keine Wurfgeschwindigkeit“. David Pfetsch traf zum 19:18, Nicolai Jensen glich aus.

Das Spiel stand auf des Messers Schneide. Es war beidseits schiere Kampfeslust in einer Abwehrschlacht. Die Gastgeber machten nun noch mehr Fehler. Nach dem 23:23 in der 56. Minute trafen Nicolai Jensen und David Pfetsch mit normaler Wurfgeschwindigkeit. Trotz einer Zeitstrafe und einer Auszeit von Trainer Matthias Bracher hielten die Schwaben dem Druck des Wohnzimmers statt und gewannen aufgrund der stärkeren Schlussphasen am Ende der Halbzeiten verdient. Es war erst die zweite Heimniederlage der Franken seit ihrem Abstieg aus der 3. Liga. Was für eine Leistung.

Im Kampf um die Meisterschaft hat die SG Regensburg mit vier Punkten Vorsprung nun alle Trümpfe in der Hand. Allerdings müssen sie noch ins Hachinger Tal und nach Bayreuth. Gelesen ist die Messe also noch nicht.

Hier geht es zum Spielbericht:
https://bhv-handball.liga.nu/cgi-bin/WebObjects/nuLigaHBDE.woa/wa/groupMeetingReport?meeting=8042588&championship=BHV+2025%2F26&group=437864