Herren – Regionalliga
Die Zeiten, in denen Schwaben bei den Herren eine Handballhochburg war, sind längst vorbei. Umso größer war die Freude in Günzburg, als in der Vorsaison die Handballfreunde des TSV Ottobeuren als Meister der Oberliga Süd in die bayerische Eliteliga aufstiegen.
Dabei ist es gar nicht so einfach, ein echtes „Feindbild“ aufzubauen.
Schließlich pflegen beide Vereine seit Jahren ein enges Verhältnis: Günzburger Mannschaften reisen traditionell ins Trainingslager in die Sportwelt nach Ottobeuren. Zudem spielten die Kaulitz-Brüder beim VfL – Luca Kaulitz wirkte als Linksaußen zu Drittliga-Zeiten mit, und sein Bruder Tim lief in der Günzburger Jugend auf, bevor ihn sein Weg zu Spitzenvereinen wie Frisch Auf Göppingen, dem TuS Fürstenfeldbruck und der SG BBM Bietigheim führte. Selbst die Trainer Gerd Römer – einst deutscher Jugendmeister mit dem TSV Heiningen und langjähriger A-Jugend-Coach in Göppingen – und Stephan Hofmeister kennen sich seit Jahrzehnten und pflegen eine ein freundschaftliches Verhältnis.
Freundschaft ruht für 60 Minuten
Doch für 60 intensive Spielminuten ruhen diese Bande am Samstag ab 20:00 Uhr. Zu erwarten ist ein hochemotionales Derby: Der VfL Günzburg will nach der herben Klatsche gegen Bayreuth unbedingt in die Erfolgsspur zurückkehren, um die Ambitionen auf einen Spitzenplatz zu unterstreichen. Die Gastgeber aus dem Allgäu hingegen brennen nach einem holprigen Saisonstart auf ihren ersten Heimsieg.
Ottobeuren blickt auf eine traditionsreiche Handball-Vergangenheit zurück; jahrelang spielte der Club unter anderem mit Spielmacher Gabor Czako in der 3. Liga. Die Spieler wissen also genau, was sie ihrem Heimpublikum schulden.
Der Weg nach oben: Ottobeurens bislang schmerzhafter Lernprozess
Der Aufsteiger startete mit zwei knappen Niederlagen gegen die erfahrenen Teams aus Allach und Bayreuth in die Runde. Es folgten eine unerwartete 38:42-Heimniederlage gegen den HBC Nürnberg – ein Gegner, den man eher im Tabellenkeller vermutet hatte – und eine herbe Klatsche beim 18:36 gegen HT München. Die Gesichter der Verantwortlichen wurden länger und länger.
Letzte Woche folgte dann der ersehnte Befreiungsschlag:
Der erste Saisonsieg gelang mit einem hauchdünnen 29:30 ausgerechnet bei den Anzinger Löwen, die im Abstiegskampf jeden Punkt dringend benötigen.
Nervenkrieg im Löwenkäfig
Es war ein echter Krimi: Bis zur 35. Minute führten die Gastgeber, ehe Felix Füry in der 40. Minute den 21:21-Ausgleich markierte. Komplett kippte die Partie, als Tim Kaulitz in der 48. Minute zum 24:25 traf. Ein wahrer Nervenkrieg entbrannte, wie er selbst in einem Löwenkäfig selten zu erleben ist. Wieder war es Tim Kaulitz, der in der 56. Minute zum vermeintlich beruhigenden 26:30 einnetzte.
Anzing kämpfte jedoch bis zur letzten Sekunde, sodass es noch einmal eng wurde. Am Ende reichte es für die Löwen nicht mehr – zur großen Erleichterung der Ottobeurer, die ausgelassen den ersten Auswärtssieg feierten. Die Rückfahrt im Mannschaftsbus glich einer kleinen Meisterfeier, und der Traum von der Wende im Tabellenbild lebt.
Klare Kante im Derby: „Freundschaft hin – Freundschaft her“
Beim VfL Günzburg blickt man der Partie indes hochkonzentriert entgegen. Vorletzte Woche wüteten zwar noch die Grippeviren im Team, doch inzwischen geht es gesundheitlich wieder bergauf. Insbesondere der zuletzt schmerzlich vermisste Daniel Jäger wird am Samstag definitiv wieder mit von der Partie sein.
Günzburgs Trainer Sandro Jooß bringt die Marschroute auf den Punkt:
„Freundschaft hin – Freundschaft her, genau das wollen wir am Samstag verhindern. Wir wünschen dem TSV Ottobeuren alles Gute für seine Aufholjagd – nur eben nicht an diesem Wochenende.“
Hier geht es zur Homepage des TSV Ottobeuren: www.ottobeuren-handball.de



