Herren – Regionalliga

35:36 IM SCHWABENKRIMI

Der Regionalliga-Tatort kam an diesem Samstag aus Ottobeuren. Die Zuschauer brauchten ihr Kommen nicht zu bereuen, denn das Spiel war an Spannung nicht zu überbieten. Nach sechzig hart umkämpften Minuten leuchtete ein 35:36 (Halbzeit: 19:17) von der Anzeigentafel. Der VfL bestimmte dabei nur den Spielbeginn und die Schlussphase. Doch der Reihe nach:

​Die Stimmung war großartig. Im Vorspiel fertigte die Allgäuer B-Jugendbundesligamannschaft HT München ab, der Hallensprecher war in Höchstform und der VfL hatte etliche Fans mitgebracht. Laut wurde getrommelt. In Ottobeuren erinnert vieles an die Handballbegeisterung aus jenen Tagen, als die Väter der aktuellen Handballgeneration noch in der 3. Liga für Furore sorgten.

​Nichts war von den Grippeproblemen beider Mannschaften unter der Woche zu spüren. Das Spiel war ein Höllenritt. Die sehr schnellen VfL-Außen bestimmten das Anfangstempo. Bereits nach fünf Minuten stand es 2:5 durch einen Siebenmeter von Noah Heisch. Er kam von der Bank, da erstmals Erik Lieder in der Startformation stand. Er rechtfertigte das Vertrauen von Trainer Sandro Jooß und traf gleich zu Spielbeginn zweimal traumwandlerisch sicher. Ganze zwei Minuten später: 4:7 durch Robin Lorenz. Nach dem 8:10 durch einen starken Nicolai Jensen bekam die VfL-Dominanz allerdings Risse. Der frühere VfL-Jugendspieler Tim Kaulitz und zweimal Sen Osterrieder drehten den Spieß in die andere Richtung: 11:10.
​Hauptgrund dafür war eine schwache Defensive – insbesondere der achtfache Torschütze Moritz Schneider war nie in den Griff zu bekommen. Die VfL-Torhüter konnten einem leid tun. Lukas Haug traf zum 19:16 für die Einheimischen. Die Halle tobte herrlich. Tino Jensen und Robin Lorenz verkürzten zum 19:17-Halbzeitstand.

​Nach dem Wiederanpfiff legte die Mannschaft von Gerd Römer meist zwei, drei Treffer vor, während die Weinroten zunächst noch halbwegs erfolgreich hinterherhechelten – zuletzt beim 23:22 durch Noah Heisch. In der 40. Minute war der Höhepunkt des Günzburger Abwehrfriedens erreicht. Für den VfL sah es beim 28:23 arg grippekrank aus. Cheftrainer Hofmeister nahm eine Auszeit und überraschte seine Schützlinge mit einer kühnen Hochrechnung des Gesamtergebnisses. Das saß! Bis allerdings alle Spieler genau nachgerechnet hatten, war es beim 30:25 durch Moritz Schneider wenigstens nicht schlimmer geworden.

​Daniel Jäger, David Pfetsch und Michael Jahn erzielten in der 52. Minute den 33:32-Anschluss. Die Ottobeurer, die wenig wechseln konnten, mussten dem Irrsinnstempo Tribut zollen, machten plötzlich deutlich mehr Fehler, und Torwart Moritz Schumacher lief zur Höchstform auf. Je länger das Spiel dauerte, umso mehr vernagelte er sein Tor – das ist bekanntermaßen nie schlecht! In der 55. Minute glich Nico Jensen aus. Ottobeuren gab, gestützt auf ein phantastisches Publikum, nicht auf. Doch die Reserven schienen erschöpft und der VfL kann „Schlussphase“. Daniel Jäger und David Pfetsch kippten die Begegnung beim 34:36 komplett. Der elffache Torschütze David Willert ließ seine Farben bei Spielminute 58:48 mit seinem Treffer zum 35:36 zwar noch einmal hoffen, doch das Pulver der starken Gastgeber war insgesamt verschossen. In den letzten zwölf Minuten gelangen ihnen ganze zwei Treffer. Die VfL-Abwehr hatte sich gerade noch rechtzeitig berappelt; die Wurfwinkel, die Moritz Schumacher zu seinen Paraden nutzen konnte, waren auch ein Defensivverdienst. Die Gastgeber standen am Ende mit leeren Händen da, obwohl sie wirklich alles gegeben hatten.

​Der VfL steht nach zwei virologisch sehr schwierigen Wochen und ausgedünntem Kader mit 10:2 Punkten hervorragend in der Tabelle und darf sich nun auf ein spielfreies Wochenende freuen. Danach kommt HT München zum Spitzenspiel. Das hat sich die Mannschaft sehr hart erarbeitet.

​Hier geht es zum Spielbericht:
https://bhv-handball.liga.nu/cgi-bin/WebObjects/nuLigaHBDE.woa/wa/groupMeetingReport?meeting=8390513&championship=BHV+2026%2F27&group=495716