Herren – Regionalliga

DER KRACHER ENDET SALOMONISCH

1400 begeisterte Zuschauer, darunter gut 50 aus München, säumten das Spielfeld und sorgten für eine Stimmung, die an Günzburger Handballglanzzeiten in den 80er Jahren erinnerte. Nach sechzig packenden Minuten stand kein Sieger fest. Das 34:34-Unentschieden erscheint fast ungerecht schiedlich und friedlich, beide Mannschaften wehrten sich bis zum Schluss gegen die Entscheidungslosigkeit und gaben alles dafür, um für ihre Farben den Sieg zu erzwingen.

Doch der Reihe nach:

Das Spiel war kein leichtes, Beide Mannschaften schenkten sich bei allem gegenseitigen Respekt rein gar nichts. Bereits nach knapp zwei Minuten sah HT-Spielmacher Florian Wastl durch die ausgezeichneten Schiedsrichter Markus Spegele und Daniel Weineck eine Rote Karte. Wenig später scheiterte Gabriel Scholz mit einem Siebenmeter. Die Abwehrreihen waren beidseits gut aufeinander eingestellt. Es ging nicht nur um Gestalten, sondern auch darum nach allen Regeln der Handballkunst gegnerischen Erfolg zu verhindern. Das 1:0 durch David Pfetsch brach den Angriffsbann.

Nach neun Minuten traf Jonathan Cremer zum 4:2. Damit stand fest, dass die Günzburger den etwas besseren Start erwischt hatten. Das hohe Tempo beendete die Abwehrschlacht. Wer soll da noch hinterher kommen? Die Handballgemeinschaft aus dem Hachinger Tal kam besser ins Spiel. Benedikt Hagitte glich zum 5:5 aus. Zäh wurde gerungen. Bis zum 9:9 durch den kampfstarken Beni Telalovic stand es mehrfach unentschieden. Keines der beiden Teams wollte auch nur einen Millimeter des blauen Hallenbodens preisgeben. Die Zuschauer hatten sich mittlerweile auf Nervenaufreibendes eingerichtet, den „Tatort“ am Sonntag brauchen VfL-Fans aktuell nicht.

Danach schienen die Schützlinge von Johannes „Danger“ Borschel ihrer Favoritenrolle gerecht zu werden. Sie dominierten die nächste Spielphase und führten mehrfach mit drei Toren. Im Spielbericht durch ein 9:12, 10:13 und 11:14 dokumentiert. Die VfL-Torhüter Patrick Bieber und Julian Lohner brachten kaum eine Hand an den Ball. Angetrieben vom enthusiastischen VfL-Publikum und dem unbedingten Willen ein weiteres Spitzenspiel zu gewinnen, verkürzten die Weinroten die Schlagdistanz. Der erneut überragende Nicolai Jensen erzielte vor dem Halbzeitpfiff das 16:17.

Das Pausenbier tat gut und sorgte für Entspannung, während die Spieler sich neu sammeln und feinjustieren konnten.

Nach Wiederanpfiff ging es im Kampfesmodus weiter. Patrick Bieber knüpfte nun an seine Leistungen der Vorwochen an. Gabriel Scholz erwies sich als Mentalitätsmonster und traf per Siebenmeter zum 20:20. Sieben Siebenmeter sollte er hintereinander traumwandlerisch sicher verwandeln. Das muss man erst einmal hinbekommen: Kalt von der Bank, wenn der allererste verworfen wurde und die Chrunchtime gefühlt 60 Minuten dauert.

Bis zum 26:26 in der 46. Minute stand es sechsmal unentschieden. Gar nichts für schwache Nerven. Die Münchner nahmen Nicolai Jensen an eine kürzere Leine, das sorgte beim VfL für kurze taktische Unordnung. Fehler wurden in dem Spiel nicht verziehen. In der 50. Minute traf Quentin Rodriguez zum 26:29. Benedikt Hagitte wenig später zum 27:30 und Beni Telalovic erhielt eine Zeitstrafe. War das die Vorentscheidung?

Nein, immer wieder wurde Rechtaußen Noah Heisch, der später zum „man of the match“ erkoren wurde mustergültig in Szene gesetzt. Der fünffache Torschütze Robin Lorenz glich zum 30:30 aus. Alle Reserven wurden mobilisiert. Auf ein Unentschieden folgte das nächste. Gabriel Scholz versenkte bei 57.50 seinen siebten Siebenmeter. 30 Sekunden später erhielt Philipp Steuck eine Zeitstrafe. Eingedenk des vorausgegangenen sicheren Überzahlspieles hatte der VfL nun alle Trümpfe in der Hand. Doch es sollte nicht sein. Die numerische Überlegenheit konnte nicht genutzt werden. Und so vergingen noch bange Sekunden, denn ganz am Ende mussten noch zwei unangenehme HT-Freiwürfe über die Zeit gebracht werden.

„Vielleicht war es einfach auch ein gerechtes Unentschieden“, frugen sich nicht nur besorgte Handballmütter?

Neben der VfL-Mannschaft verdiente sich vor allem das Publikum Bestnoten. Die Red-Devils ließen nie locker, rissen die anderen Fans mit und hielten die Mannschaft in Phasen drohender Körnerlosigkeit auf Trab. Kein Spieler der Welt möchte solche Fans enttäuschen. Auch das war großartig, Nicht nur sportlich , sondern auch in Sachen Fankultur und Zuschauerzahlen hat sich der VfL enorm entwickelt.

Nächste Woche führt die Regionalligareise nach Landshut. Dort wird das nächste Spitzenspiel angerichtet.

Hier geht es zum Spielbericht:
https://bhv-handball.liga.nu/cgi-bin/WebObjects/nuLigaHBDE.woa/wa/groupMeetingReport?meeting=8042503&championship=BHV+2025%2F26&group=437864