Herren – Regionalliga
Mit einem 35:31 (15:12)-Auswärtssieg wurde der VfL Günzburg seiner Favoritenrolle gerecht und entführte beide Punkte aus dem Lohrer Hexenkessel. Es bereitet große Freude in der Spessarttorhalle zu spielen. Dort ist wenigstens was los, man spürt die Tradition des langjährigen Drittligisten. Janos Wagenbach, der vermutlich beste Lohrer Spieler aller Zeit war höchst selbst in der Halle. Wie in Günzburg ist das Spiel der 1. Mannschaft eine echte Samstagabendveranstaltung.
Das 1:0 erzielte gleich der beste Spieler auf dem Platz: Nico Jensen. Er erzielte nicht nur acht Tore, sondern traf über die 60 Minuten sehr viele goldrichtige Entscheidungen. Auf die Abwehr der Franken wirkte der VfL gut eingestellt, in der Defensive traten die spielfreudigen Schwaben allerdings ein wenig zu zögerlich auf. Torwart Patrick Bieber erwischte zu Beginn einen Sahnetag und bügelte etliche kleine Abwehrfehler seiner Vorderleute aus. Nach dem 3:4 durch Vukasin Popovic erhielten die Gastgeber nach und nach die erste Quittung der Günzburger Überlegenheit. 3:7 leuchtete es von der Anzeigentafel.
Insgesamt dreimal bauten die Weinroten ihre Vorsprung bis auf fünf Tore aus. Zuletzt in der 26. Minute als Joseph Stotz zum 9:14 traf. In dieser Phase wäre deutlich mehr drin gewesen. Stephan Hofmeister kritisierte später, dass die jüngeren Rückraumspieler dieses Mal zu wenig Verantwortung übernahmen und sich zu sehr auf die Zuverlässigkeit von Nicolai Jensen verließen. Die Rolle für den kreuzbandverletzten Alexander Prechtl übernahm Youngster Lenny Wulz, der später auch ein Regionalligamännertor erzielen sollte. Er gewährte Daniel Jäger kurze Verschnaufpausen. Das Spiel begann zu plätschern, es fehlte die Entschlossenheit und so gelang den Lohrer Füchsen bis zum Pausenpfiff eine Resultatsverbesserung.
12:15 stand es zur Halbzeit.
Die Mannschaft um den elffachen Torschützen Patrick Dobos hatte nun ihre beste Phase. Beim 15:15 und 16:16 konnten sie ausgleichen. Das ist in der stets gut besetzten Lohrer Halle immer gefährlich. Es besteht dann akute Funkenfluggefahr. Das Publikum will Siege sehen. Wenn die dortigen Fans spüren, dass sich ihre local Handballheroes mit allen Kräften ins Nichtabstiegsgetümmel werfen, dann wird es laut und euphorisch. Der Funke der Begeisterung springt dann oft auf das Feld zurück. Die Halle kann dann schon einmal „brennen“. Die Günzburger erwiesen sich in dieser kritischen Phase als Team und schlossen in der Abwehr die Reihen. Besonders Beni Telalovic leitstete trotz einer Bänderverletzung Schwerstarbeit. Beim 17:20 war die „Brandgefahr“ von der Tribüne erst einmal gebannt. Es wurde wieder ruhiger.
Großen Anteil an der richtigen weinroten Antwort hatte Routinier Manuel Scholz. Er gab der Mannschaft Sicherheit, traf die Siebenmeter und genießt einfach, wenn er Handball spielen darf. Der selbstauferlegte Druck der Mannschaft immer gewinnen zu wollen, lähmt ihn nicht, sondern fordert ihn im besten Sinne heraus.
Entscheidungsreife war ab der 46. Minute als Manuel Scholz einen Siebenmeter zum 21:24 verwandelte und die Günzburger durch Beni Telalovic auf 21:27 enteilten. Die Messe war ab da – schon vor dem Sonntag – gelesen.
Besonderes Vorkommnis: Einer der Schiedsrichter war mit dem Rad angereist. Das ist gesund, kommt aber selten vor.
Außer beim VfL Günzburg, der seit Monaten stabil liefert, geht es in der Liga aktuell drunter und drüber. An diesem Wochenende gewann Abstiegskandidat TSV Ismaning gegen den ursprünglichen Meisterschaftsfavoriten TG Landshut mit 32:30 und TSV 2000 Rothenburg watschte HT München mit 32:22 ab. Das Tabellenbild wandelte sich im neuen Jahr komplett. Gab es 2025 vier Meisterschaftsanwärter, dahinter den VfL in Lauerstellung und noch weiter dahinter ein Sammelsurium von Mannschaften mit negativen Punktverhältnissen und Abstiegskandidaten, schaut es heute ganz anders aus. Die Meisterschaft machen die Regensburger Adler und Haspo Bayreuth unter sich aus. Dann kommt ein oberes Mittelfeld, das die TG Landshut und der VfL Günzburg anführen und bis zur aktuellen Überraschungsmannschaft TSV Rothenburg (20:16-Punkte) reicht, dann ein unteres Mittelfeld von den Anzinger Löwen bis HBC Nürnberg. Ganz am Ende stehen schon etwas abgeschlagen drei Abstiegskandidaten mit denen keiner tauschen möchte.
Hier geht es zum Spielbericht:
https://bhv-handball.liga.nu/cgi-bin/WebObjects/nuLigaHBDE.woa/wa/groupMeetingReport?meeting=8042538&championship=BHV+2025%2F26&group=437864



