SCHIEDSRICHTER – WICHTIG UND UNBEACHTET
Schiedsrichter betreiben eine hoch qualifizierte Sportart. Beim heutigen Tempospiel ausdauernd herausfordernd, dazu muss in Höchstgeschwindigkeit entschieden werden. Die Regeln sind kompliziert – besonders für die Zuschauer. Weder die Presse noch der eigene Verein berichten über schiedsrichterliche Großtaten. Aufmerksamkeit erheischt man nur dann, wenn es einmal nicht läuft: Von der Tribüne wird man beleidigt und urplötzlich kann man auch in fragwürdigen Presseartikeln unsachliche Berühmtheit erlangen. Kein Wunder, dass das Schiedsrichteramt nicht besonders begehrt ist. Es gibt auch andere Gründe: Kinder gehen zum Handball, um zu spielen und nicht um zu pfeifen. Anstelle den Spaß und die hohe Verantwortung, aber auch das sichere Taschengeld des Schiedsrichteramtes in den Vordergrund zu stellen, gefallen sich besonders ältere Schiedsrichter und Obleute im Dauergejammer. Hinzu kommt eine schwache Stellung der Schiedsrichter im BHV – eine finanziell gut ausgestattete Vizepräsidentenstelle für den bedauernswerten BHV-SR-Obmann ist überfällig. Richten soll das nun eine erhöhte Spielleitungsentschädigung. Für den Einstieg junger Schiedsrichter vermutlich ein zeitgemäßer Ansatz, insgesamt wälzt der Verband damit zu einseitig notwendige innere Reformen auf den Geldbeutel der Vereine ab. Um weiteren Druck auf die Vereine auszuüben, müssen Schiedsrichtermindestzahlen erreicht werden -ansonsten drohen Geldstrafen und demnächst auch Mannschaftssperren. Auch das lassen sich die Vereine gefallen – nach dem Motto: Hauptsache irgendeiner macht die Arbeit.
Der VfL steht also unter großem Druck sein Schiedsrichtersoll zu erfüllen. Marius Schmid als Vereinsschiedsrichterobmann leistet hier hervorragende, aber auch unbeachtete Arbeit. Während aber selbst C-, B- und A-Jugendliche im Verein kleine Berühmtheiten sind, weiß aus oben genannten Gründen kein Mensch, wer eigentlich für uns gelbe, rote und blaue Karten schwingt. Schon ein wenig traurig. Erfreulicherweise sind viele für uns an der Pfeife aktiv und schützen die Abteilung damit vor Geldbußen oder gar Mannschaftssperren. Wir sind auch hier auf einem guten Weg. Pfeifen müssen Schiedsrichter mindesten sechs Spiele pro Jahr um in die Verbandswertung zu kommen. Liest sich erst einmal nach wenig. Das sind aber sechs Wochenendtage.
Viele unserer Schiris spielen aktiv, haben also mehrfach Training in der Woche und einen aufwendigen Spielbetrieb. Besonders wichtig für uns sind daher ehemalige Aktive und begeisterte Altschiedsrichter. Unsere Vielpfeifer sind Marius Schmid mit 64 (!) Spielen, Abdallah Alkatib mit 55 (!), Hans Meck mit 26 (!) und Matthias Dück mit 14 (!). Sie alle haben Familie, andere Hobbys, drei davon sind voll berufstätig und alle natürlich ein wenig „verrückt“: Kein Mensch berichtet über diese außergewöhnlichen Leistungen und diese Handballverliebtheit. Dieses ungerechtfertigte Nichtbeachten ist ein Teil des Problems. Neben diesen altgedienten und vielen anderen Referees leiten auch Jungschiedsrichter*innen Spiele für uns: Luka Dedic, Julia Kees und Jasmin Bergmann.
Es wäre toll, wenn der VfL irgendwann einmal Sprungbrett für ein höherklassiges junges Schiedsrichtergespann wäre. Der Weg ist weit, die Herausforderung großartig und gerade in der Ausbildung oder während des Studiums lässt sich damit schon auch ein wenig Geld verdienen. Die Vereine müssen dafür tief in die Tasche greifen. Ganz herzlichen Dank an Marius Schmid für die Koordination der Schiedsrichter und an jeden einzelnen, der für uns Spiele leitet. Wer Interesse an einer Schiedsrichterkarriere hat oder dem Verein für ein paar Jahre als
Schiedsrichter dienen möchte, einfach melden.
UNSERE SCHIEDSRICHTER BEIM VFL GÜNZBURG / HANDBALL
- Alkhatib, Abdallah
- Bergmann, Jasmin
- Bieber, Patrick
- Buck, Pascal
- Dedic, Luka
- Dück, Matthias
- Geiger, Christian
- Kees, Julia
- Meck, Hans
- Mensinger, Mathias
- Schmid, Marius
- Schmid, Nicolai
- Zofka, Torsten

