Herren – Regionalliga
Vor 600 begeisterten Zuschauern bezwang der VfL Günzburg den HC Erlangen 3 mit 43:38 (20:21). Das am Ende deutliche Endergebnis liest sich irgendwie locker, dahinter steckte harte Handballarbeit und eine überragende zweite Halbzeit der Günzburger. Die Erlanger Trainerlegende Tobias Wannenmacher war mit einer sehr jungen Mannschaft angereist. Acht Spieler sind im ersten Aktivenjahr, alle anderen spielen noch in der sehr starken HC-A-Jugend, die vor nicht allzu langer Zeit eine deutsche A-Jugendmeisterschaft feiern durfte. Klingt auch wieder eher „easy“; war es aber überhaupt nicht. Eine Katalogisierung in junge und alte Spieler mit den üblichen Rückschlüssen hilft gegen die Mittelfranken überhaupt nicht, es gibt nur gute und weniger gute Spieler. Die Erlanger zweite Reservemannschaft bot nur sehr gute auf. Ihr Kantersieg gegen den Anzinger SV und die sensationellen zwei Punkte beim Meisterschaftsmitfavoriten HT München waren die richtigen Warnschilder.
Die VfL-Defensive tat sich mit den explosiven, technisch top ausgebildeten Gästen in der Anfangsphase sehr schwer. 0:3 und 9:13 lagen die Günzburger hinten. Dem elffachen Torschützen Noah Heisch und dem zweimal erfolgreichen Michael Jahn, der an diesem Tag noch handballfröhlicher wirkte als sonst, war der 12:13-Anschluss zu verdanken. Großen Anteil an der Aufholjagd hatte Torwart Moritz Schumacher, der in dieser Phase auch ein paar „Unhaltbare“ parierte. Beim 14:14 wurde bei beidseitigem Höllentempo der Ausgleich geschafft. Die sehr schnellen VfL-Außen David Pfetsch und Noah Heisch hatten einen Sahnetag erwischt. Beidseits ohne Abwehrzugriff blieb es hochspannend. Fünfmal stand es in der Folgezeit unentschieden. Quasi mit dem Schlusspfiff traf Robin Lorenz mit einem Krachertor zum 20:21-Halbzeitstand. Die Pause tat nach den ebenso fetzigen wie spannenden ersten 30 Minuten allen gut. Mannschaften und Trainer justierten nach, während viele Fans auf die sedative Wirkung des bayrischen Hopfens setzten.
In der zweiten Halbzeit veränderte sich die Begegnung. Irgendwie schienen sich die VfL-Spieler besser auf die vielen kleinen technischen Angriffswunder eingestellt zu haben. Daniel Jäger und Lenny Wulz leisteten in der Innenverteidigung Schwerstarbeit. Joni Cremer gelang in der 39. Minute die erste VfL-Führung zum 25:24. In der 44. Minute gelang Simon Sturm das 28:29. Es war die kurze Phase, in der die Defensiven die Überhand gewonnen hatten. Der VfL tat sich mit der nun sehr offenen Erlanger Deckung schwer.
Dann war urplötzlich Entscheidungsreife. Den Weinroten gelang ein Sechserpack. Nicolai Jensen setzte in dieser Phase als Torschütze und Regisseur genau die richtigen Akzente. Nur gut vier Minuten nach dem 28:29, das spielgerecht erschien, leuchtete ein 34:29 von der Anzeigentafel. Das war die Vorentscheidung. Bei einem Spielstand von 43:38 pfiffen die guten Unparteiischen Philipp Jordan und Nicolai Walbrunn ab.
Mannschaft und Fans waren danach bei „Sweet Caroline“ ganz aus dem weinroten Handballhäuschen. 6:0-Punkte zum Saisonstart gelang dieser Handballgeneration übrigens noch nie, gab Nicolai Jensen, der über Handball und Fußball alles weiß, zum Besten. Es läuft beim VfL.
Nächste Woche geht es zum TSV Allach, den „Allach Alligators“, die völlig überraschend beim Anzinger SV mit 24:34 unter die Räder kamen. „Das dürfte die Aufgabe nicht leichter machen“, so Trainer Sandro Jooß. Cheftrainer Hofmeister will gleich am Montag zum Thema „Die Gefahren von waidwunden Reptilien“ referieren.
Hier geht es zum Spielbericht:
https://bhv-handball.liga.nu/cgi-bin/WebObjects/nuLigaHBDE.woa/wa/groupMeetingReport?meeting=8390548&championship=BHV+2026%2F27&group=495716


