Damen – Bayernliga

Bayernliga-Play-Down: 27:27 in einem von vielen Endspielen

Nach dem gewonnenen Auswärtsspiel beim HBC Nürnberg war der Abstand des Tabellenfünften VfL Günzburg auf die Cluberinnen auf ganze zwei Punkte zusammengeschmolzen. Zu Hause und mit einer ordentlichen Portion Harz sollte dieser Rückstand mit einem Sieg und dem damit verbundenen besseren direkten Vergleich in den kleinsten aller denkbaren Vorsprünge verkehrt werden.

Angerichtet war ordentlich. Da die 1. Männermannschaft spielfrei war, war das Damenspiel der einzige Höhepunkt im handballverrückten Günzburg. Sage und schreibe sechszehn Einlaufmädchen begleiteten die weinroten Gladiatorinnen auf das Feld. Das sollte Mut machen, aber auch verdeutlichen wie wichtig eine Bayernliga-Damenmannschaft für den eigenen Handballnachwuchs ist. Kinderhandball boomt beim VfL Günzburg, endlich auch bei Mädchen. Sie brauchen Vorbilder in den eigenen Reihen.

Leider ging die Begegnung so gar nicht nach dem Geschmack der zahlreichen Handballfans los. Erneut griffen die vielzitierten Auswirkungen des Harzverbotes nicht. Gewannen die begeisterten Günzburger Kleberinnen in Nürnberg trotz Harzverbotes, so zeigten sich die Fränkinnen vom reichlichen VfL-Harz in der Rebayhalle gänzlich unbeeindruckt und dominierten die erste Hälfte.

Nach einem ersten Abtasten erzielte Julia Fischer für ihre Farben das 1:3 und die zwölffache Törschützin Elena Lubach das 3:6. In der dreizehnten Minute glich Torjägerin Nina Porkert zum 6:6 aus. Die Linkshänderin sollte für ihre Farben am Ende sieben Treffer markieren. Der Ausgleich war nicht der Auftakt für eine Wendung. Irgendwie klebte der Ball nicht richtig. War in Nürnberg beim 36:38 die ausgezeichnete Angriffseffektivität der erfolgsbestimmende Faktor, so leisteten sich die Günzburgerinnen im Rückspiel viel zu viele Fehler. Nach dem 7:7 durch Alena Harder, konterten die Gäste zum 7:9 und bauten ihren Vorsprung bis zur Halbzeit durch einen Treffer von Stella Latzsch zum 13:17 aus. Der erhoffte Heimvorteil blieb Theorie.

Der HBC blieb spielbestimmend. Tanja Wimmer warf zum 16:21 ein. An den VfL-Torhüterinnen lag das übrigens nicht. Marie-Sophie Lindnau in der 1. Halbzeit und Eileen Beck in der zweiten verdienten sich Bestnoten in einem ansonsten technisch enttäuschenden Team. Wenn die Handballkunst versagt, bleibt nur die Kampfkraft. Die VfL-Schönen wollten auch an diesem Tag ihre Fans mitnehmen und stemmten sich im Fehlermeer gegen die drohende Niederlage. Beim 18:22 in der vierzigsten Minute schien ein Happy-End möglich. Ein Sechserpack gelang. Alle vorherigen Fehler waren vergessen. Fast fröhlich leuchtete ein 24:22 von der Anzeigentafel. Wer schnell genug hinauf schaute las Kämpferin Martina Jahn als Torschützin. Alena Harder war längst in Fraudeckung genommen worden. Die Kees-Brüder brachten als Gegenmittel die siebte Feldspielerin. Chancen eröffneten sich hieraus schon, doch die müssen verwertet werden. Wenn nicht, dann geht der taktische Schuss nach hinten los und zwar ins eigene, leere Tor. Drei Mal sollten die nervenstarken Nürnbergerinnen dieses Geschenk nutzen. In der 52. Minute waren die Günzburgerinnen wieder ausgebremst. 25:25 durch Melina Schwab. Nichts erinnerte mehr an die Torgala vor einer Woche, bis zum Abpfiff wurde nur noch zäh gerungen. Zweimal konnten die Einheimischen noch mit einem Tor in Führung gehen. Neun Sekunden vor Schluss glichen die Gäste zum 27:27-Endstand aus.

Jürgen Kees zeigte sich nach dem Spiel sichtlich enttäuscht. Doch weiß er auch, dass bei einem Nichtabstiegskampf kein Schönheitspreis zu gewinnen ist, ein Play-Down fühlt sich erst dann gut an, wenn er bewältigt ist. Vorher gibt es keine Frühlingsgefühle, selbst wenn die Sonne scheint. Die Aufholjagd nach dem 16:21 zeugt gerade wegen der vielen eigenen Fehler von fast undamenhafter Kampfeslust – darauf wird es weiter ankommen. Außerdem ist das interne Duell mit dem direkten oberen Tabellennachbarn aus Mittelfranken gewonnen. Nächste Woche spielt der VfL in Landshut (1:11 -Punkte). Dort findet das nächste Endspiel um den Klassenerhalt statt. Wenn das gewonnen wird, sind die Cluberinnen trotz ihrer starken Leistung in der Tabelle überholt. Das zählt. Das schwierige Überholmanöver dauert nun einfach eine Woche länger.

Also weiter geht es im Nichtabstiegskampf.

https://bhv-handball.liga.nu/cgi-bin/WebObjects/nuLigaHBDE.woa/wa/groupMeetingReport?meeting=7317680&championship=BHV+2022%2F23&group=301210