“Derbysieger, Derbysieger (…)” skandierten Fans und Spieler nach einem in der Höhe nie erwarteten 36:23 (14:12)-Sieg gegen die sonst so abwehrstarken Gäste aus Haunstetten. Davor war der VfL-Express sechzig Minuten in Höchstgeschwindigkeit durch die Halle gefetzt.

Alles begann mit dem 0:1 durch Florian Zimmerly. Die TSV-Spieler traten mit ihrer gefürchteten offensiven Deckung an, die selbst die Riesen aus Friedberg in die Knie zwang und wirkten im Angriff nach einer phantastischen Hinrunde gereift. Der VfL wusste genau, was gegen die robuste 3:2:1-Deckung zu spielen war: Spielmacher Nico Jensen hielt die Spielfäden fest in der Hand. Das Angriffsspiel war von Beginn an top organisiert, auch die Gegenstoßbereitschaft fulminant. Doch das Visier war noch nicht zielgenau eingestellt. Oft scheiterte man anfangs an Torwart Rothfischer oder knallte ans Gebälk. Ausgeglichen wie bei einem Derby zu erwarten wurde Handball gerungen. Bis zum 6:7 durch Nikolaus Singer hatten die Gäste die Nase insgesamt dreimal vorne. Scholz, Jäger, Pfetsch und Lehr gelang dann ein Viererpack – 10:7! Apropos David Pfetsch – es bereitete Cheftrainer Hofmeister sichtlich Vergnügen das nächste Talent in der Bayernliga auszupacken. Seit Monaten trainiert der kleine Allrounder beim Bayernligateam fleißig mit und da erste Männermannschaft und A-Jugend – didaktisch aufwendig – genau das Gleiche trainieren, sind Einsätze im Aktivenbereich null Problem. Der Günzburger Weg hat aktuell eben noch seine starke Reserve in der A-Jugend. Woanders mag das anders sein, aktuell gehört das aber zum funktionierende Plan. An einer leistungsstarken Männerreserve wird noch länger gearbeitet werden müssen.

Auch ein lupenreiner Hattrick vom starken Gästespielmacher Maximilian Schnitzlein ließ Hoffnungen auf ein leichtes Spiel erst einmal im Ansatz ersticken, schnell stand es gerecht ausgeglichen 11:11.Mittlerweile war Pascal Buck von der Bank gekommen. Obwohl Grippe-geschwächt und im Prüfungsstress, tankte er sich als Antreiber kraftvoll durch, erzielte dabei zwei wichtige Treffer aus dem Gar-Nichts und hatte wesentlichen Anteil daran, dass es zur Halbzeit 14:12 stand.

Kaum auf dem Feld wurde alles anders. Zweimal Knittl und Turbo Raphael Groß erhöhten auf 17:12. Bis zum 20:15 war die Begegnung halb offen. Vielleicht war der Günzburger Angriff an diesem Tag einfach zu durchschlagskräftig, das Tempospiel zu zwingend, vielleicht war Haunstetten diesmal einfach nicht “Haunstetten”. Deren Defensive war urplötzlich komplett geknackt. Viele Gästespieler verloren ihre Normalform – ungewohnt für diese engagierten Kämpfer. in der 43. Minute stand es bereits 26:17. Für den überragenden Nico Jensen, war Stephan Jahn gekommen. Leicht hat er es nicht in dieser Saison: Aus der A-Jugend gekommen, ist es nicht einfach sich in einem über Jahre eingespielten Rückraum zu behaupten. Doch im Gegensatz zu anderen will er sich im VfL-Bayernligateam durchsetzen. Mit einer ausgezeichneten Leistung und zwei herrlichen Rückraumtoren belohnte er sich, brachte seine Farben weiter voran und meldete Ansprüche auf mehr Spielanteile in der Rückrunde an. Auch Geduld gehört zum Günzburger Weg.

Es ging weiter und weiter. Beim 34:21 war der erste Drei-Zehn-Tore-Vorsprung herausgeworfen. Der Günzburger Leistungswille an diesem Tag wird am besten dadurch dokumentiert, dass nie nachgelassen wurde und am Ende stand auch dank eines vielarmigen Keepers Patrick Bieber ein nie gefährdeter 36:23-Sieg auf der Anzeigentafel.

Damit ist der VfL Günzburg dem Tabellenfünften TSV Friedberg bis auf einen Punkt auf die Pelle gerückt. Es geht voran. Hinter den Weinroten beginnt knallhart die Abstiegszone. Bang richten sich dort wie immer die Blicke nach Coburg. Da auch der Bayernligameister diese Saison nicht direkt aufsteigt, könnte es diese Saison ungewohnt viele Absteiger geben. Trainer Hofmeister hofft, dass der TSV Haunstetten schnellst möglich wieder die Kurve kriegt und fleißig Punkte sammelt, denn die Schwaben-Derbys gehören zu den Highlights der Liga. Ganz oben in der Tabelle zieht der HSC Bad Neustadt nach einer Waldbüttelbrunn-Niederlage seine Kreise, gelassen nach unten blickend

Fans, Spieler und Abteilungsleitung waren gestern mit ihrer kleinen Günzburger Handballwelt zufrieden.

zur Statistik:

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