Vor großer Kulisse gewann der VfL Günzburg das Schwabenderby gegen stark Ersatz-geschwächte Friedberger mit 22:29 (10:13). Da der HSC Bad Neustadt in Waldbüttelbrunn sein erstes Rundenspiel verlor, wurde es nichts mit der Vizemeisterschaft des VfL Günzburg. Die Weinroten beschließen die Runde als starker Dritter, vier Punkte vor der DJK Rimpar und erstaunliche 8 Punkte vor dem TSV Friedberg, der in der Rückrunde enttäuschte. Eine Wachablösung in Schwaben ist das freilich nicht, sondern nur eine schöne Momentaufnahme nach einer Saison, in der der Meister von Anfang an feststand. Nächste Saison werden die Karten komplett neu gemischt, zu vieles verändert sich im ost- und westschwäbischen Handball. Noch vor ein paar Jahren wäre ein solcher Zwischenstand undenkbar gewesen. Unangefochten schwebte der Friedberger Männerhandball über Schwaben mit einer überragenden Drittligamannschaft deren Reserve sogar einmal Bayernliga spielte, während der VfL in der BOL brav gegen die TSV-Dritte verlor.

In der Friedberger Sporthalle spürte man, dass sich die engagierte Abteilungsleitung auch mit Stilfragen beschäftigt, alles war herrlich angerichtet zum großen Bayernliga-Abschluss-Fest. Einen überragenden Anteil an der tollen Kulisse hatte die Günzburger. Gut 250 Zuschauer waren mit Bus, Auto, Bahn, aber ohne Fahrrad zum Spiel der Schwaben gefahren um sich erst lautstark, dann herzlich und zufrieden mit der kleinen Günzburger Handballwelt von ihren “jungen Helden” zu verabschieden.

Den ersten Treffer erzielte Alex Prantl zum 1:0. Der Verein für Leibesübungen spielte die erste Viertelstunde wie aus dem Lehrbuch eines alten Trainers. Jäger, Jahn, Knittl und Bandlow trafen hintereinander zum 1:4. Die Gastgeber mussten sich erst finden, ihre “Riesen” fehlten verletzungsbedingt “hinten und vorn”: Auch Torjäger Fabian Abstreiter musste kurzfristig passen und konnte sich nur als Siebenmeterwerfer in den Dienst seines Teams stellen. Schnell stand es 2:7 und als Jakob Hermann zur Freude der “Roten Wand” das 4:11 erzielte, deutete vieles auf einen Kantersieg hin. Dies obschon TSV Keeper Benjamin von Petersdorff eine überragende erste Halbzeit bot. Doch die TSV-Spieler steigerten sich. Es war zu spüren, dass sie ihren Fans trotz aller Personalprobleme einen versöhnlichen Abschluss bieten wollten. Die “kleine” Friedberger Formation spielte naturgemäß auch ganz anders als im Taktiktraining vorbereitet. Die VfL-Deckung ließ sich plötzlich überraschen. Der schöne Vorsprung war bald dahin und so stand es zur Halbzeit 10:13. Im schnellen Handball ein ergebnis-offener Zwischenstand.

Zwar erzielten die Gäste nach Wiederanpfiff gleich das 10:14. Doch plötzlich waren die Schwarzen am Zug. Peter Haggenmüller schaffte den 13:14-Anschlusstreffer. In der 38. Minute war das Spiel beim 15:15 unentschieden. Trainer Hofmeister nahm eine Auszeit. Der Angriff spielte gegen die defensive Abwehrformation nicht mehr sauber, zu früh ging es “ab durch die Mitte”: Kurz blieb es weiter offen. Ein paar Zeigerumdrehungen später in der 41. Minute stand es 16:16. Die VfL-Abwehr kämpfte mit großem Siegeswillen gegen den eigenen Schlendrian und die ungewohnt kleinen und schnellen Friedberger. Dann zündete der VfL-Turbo zur Höchstgeschwindigkeit. Knittl, Jahn und Jensen rasten zum 16:19. Der kosovarische Nationaltrainer Kqiku nahm eine Auszeit. Wenig später scheiterte Fabian Abstreiter mit einem Siebenmeter an der Aura des starken Torwartes Patrick Bieber und traf knallend nur das Gebälk. Jäh wurde der leidenschaftliche Friedberger Kampf danach um seine Früchte gebracht. Zweimal Knittl und einmal Scholz und aus einem 16:16 war ein 16:22 geworden. In der 51. Minute bei der ungebrochenen Fitness der VfL-Spieler die Vorentscheidung! Zuvor hatte besonders das Siebenmeterduelle zwischen Stefan Knittl, einem der besten Techniker in der Bayernliga und seinen Friedberger Torwartfreunden in den Bann gezogen. Siebenmal trat das “Friedberger Handballkind” zur Vollstreckung an und bleib Sieger, mal gedreht, mal gezwirbelt oder einfach knallhart.

Nach 60 Minuten stand es gerecht 21:28. Begeistert verabschiedete die Rote Tribüne das Günzburger Bayernligateam in die Pause.

Bei der anschließenden Pressekonferenz wurde bekannt, dass Manuel Scholz und Stefan Knittl zurück nach Friedberg wechseln. Die Derbys der nächsten Runde wird sich Trainer Hofmeister nicht anschauen, da er findet, dass “rot” Beiden deutlich besser steht.

In der Rückrundentabelle, die immerhin die letzten 13 Spiele dokumentiert führen der HSC Bad Neustadt (2 Minuspunkte) und der VfL (3 Minuspunkte) die Tabelle deutlich an. Sechs Punkte dahinter die TG Landshut. Der VfL hat nach einer “bodenlosen Vorbereitung” und einer verkorksten Hinrunde die richtige Richtung eingeschlagen, sich nicht hängen lassen und Charakterstärke bewiesen. Da alle Aufstiegsträume früh zerstoben, ging es immer nur um die Ehre der Farbe und der Mannschaft. Beides wurde eindrucksvoll verteidigt. Die Mannschaft geht nun in die Pause, ehe Neu-Trainer Gabor Czako im Juni zum Vorbereitungsbeginn lädt. Bis dahin werden auch alle Spieler wieder an Bord sein. Pascal Bucks Knieverletzung ist nach einer MRT-Untersuchung mit Krafttraining einfach zu beheben und Jonas Gucklers Kreuzbandriss so gut wie ausgeheilt. Er wird in der Pause bei der A-Jugend weitertrainieren um Anschluss an alte Leistungsfähigkeit zu finden.

Trotz zweier Siege zum Saisonfinale muss der TSV Haunstetten leider absteigen; punktgleich mit dem TSV Lohr und genau einem (!) weniger erzielten Tor im direkten Vergleich. Schade für Schwaben, der VfL Günzburg wünscht. “Come back stronger”.

zur Statistik:

https://bhv-handball.liga.nu/cgi-bin/WebObjects/nuLigaDokumentHBDE.woa/wa/nuDokument?dokument=meetingReportHB&meeting=6277144&etag=ca9d6138-d7de-4c12-bfef-e98e3b643f71