Bericht der Günzburger Zeitung

So wollen die Günzburger Handballerinnen es in die Bayernliga schaffen

Für den Landesliga-Vizemeister geht’s um den Aufstieg. Was Trainer Jürgen Kees und Torhüterin Lisa Gremmelspacher über Wege zum Erfolg und den Wert einer vollen Hütte sagen.

Die Handball-Aushängeschilder des VfL Günzburg haben, objektiv gesehen, eine erfolgreiche Saison hingelegt. Die Männer wurden Dritter in der Bayernliga (auch, wenn sie mehr erreichen wollten), die Jugend wurde Sechster in der Bundesliga (womit ein Traum in Erfüllung ging), die Frauen Zweiter in der Landesliga. Wie ist das zu bewerten, Herr Kees?

Kees: Ich würde schon auch sagen, dass es ein sehr gutes Jahr gewesen ist. Vor allem, wenn man sich an die lange Hallensperrung in der Vorbereitung erinnert. Die A-Jugend hat Platz sechs noch nie geschafft, für die Männer war es zumindest die beste Runde seit Langem und für die Mädels muss die Reise ja noch nicht zu Ende sein.

An den Zuschauerzahlen lässt sich allerdings nicht unbedingt ablesen, dass die VfL-Handballer drei so erfolgreiche Teams stellen. Während die A-Jugendlichen und die Männer häufig fantastische Zahlen melden, gibt es bei den Frauen regelmäßig viele freie Plätze in der Rebayhalle. Wie wird das innerhalb der Abteilung diskutiert?

Kees: Ja, unsere Mädels sind manchmal etwas unzufrieden mit den Zuschauerzahlen. Auf Augenhöhe mit den Männern sind die Frauen auch in der öffentlichen Wahrnehmung sicher nicht. Aber das gilt für viele Orte und für viele Sportarten. Bei uns in Günzburg erklärt sich das einfach daraus, dass Stephan Hofmeister den Aufschwung mit der A-Jugend in der Bundesliga geschafft hat. Diese Jungs sind jetzt bei den Männern und da sind die Zuschauer hängen geblieben.

Sie spüren als Torhüterin die Atmosphäre in der Halle ganz besonders, Frau Gremmelspacher. An diesem Sonntag, 19. Mai, um 17 Uhr geht das Aufstiegs-Duell los. Wie viele Zuschauer wünschen sie sich für das Heimspiel?

Gremmelspacher: Auf eine konkrete Zahl möchte ich mich nicht festlegen, aber wenn jetzt keiner kommt, bin ich mit den Günzburgern persönlich beleidigt.

Freier Eintritt für alle Frauen

Lassen Sie sich etwas Besonderes einfallen, um Zuschauer anzulocken, Herr Kees?

Kees: Es wird Aktionen geben. Zum Beispiel bekommen alle weiblichen Zuschauer freien Eintritt.

Vizemeister werden ist ein toller Erfolg, Meister werden wäre aber noch toller gewesen. Was fehlte dazu? Oder an welcher Stelle fehlte es?

Gremmelspacher: Der erste Platz wäre absolut drin gewesen. Meister TSV Winkelhaid war kein unschlagbarer Über-Gegner. Wir haben uns zum Start in die Rückrunde zu viele Fehler erlaubt.

Kees: Es war uns schon vor der Saison bewusst, dass die Kadersituation mau ist und dass es übers Jahr gesehen Probleme geben könnte. So kam es dann auch: Wir mussten ein Heimspiel absagen, letztlich wurde diese Partie nicht mehr ausgetragen, gegen uns gewertet und das gab den Ausschlag. Hätten wir nämlich gespielt und gewonnen, hätte es in der Endabrechnung zum Titel gereicht.

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Die Torhüterin: Lisa Gremmelspacher (Mitte, hier mit Martina Jahn) durfte zusammen mit ihren Teamkolleginnen schon viele Siege bejubeln. Jetzt geht’s in die Bayernliga-Relegation. Für das Heimspiel am Sonntag wünscht sich die 27-Jährige viele Zuschauer – und natürlich einen weiteren Erfolg.Bild: Bernhard Weizenegger

Um den Aufstieg geht es jetzt gegen den Vizemeister der Süd-Gruppe. In der spielten Günzburger Frauen-Teams jahrelang, ehe der VfL diesmal in die Nord-Gruppe versetzt wurde. Die ist dem Vernehmen nach etwas weniger stark besetzt. Stimmt das überhaupt – und sagt das etwas über Favoritenstellungen in der Relegation?

Kees: Das spielt jetzt keine Rolle. Ich würde die Chancen gegen Laim bei 50:50 sehen.

Gremmelspacher: Ich denke auch, dass es eine Sache auf Augenhöhe wird. Das wird ein richtiger Kampf. Wir werden es jedenfalls nicht so einfach haben, wie es in der Runde oft der Fall war. Umso wichtiger ist, dass viele Zuschauer kommen und uns anfeuern.

Kees: Mit entscheidend ist, dass es ein schnelles Spiel sein wird. Um das zu üben, dafür hatten wir im Norden zu wenige gute Gegner. Wir müssen jetzt also im Training lernen, dass wir echtes Rückzugsverhalten brauchen, weil dieser Gegner aus München Laim alle Fehler bestrafen wird.

Das erste Spiel ist ein Heimspiel

Das erste Spiel findet vor heimischer Kulisse statt – Vorteil oder Nachteil?

Kees: Generell ist das immer ein kleiner Nachteil. Ich sehe es aber nicht als schlimm. Wir sind auch auswärts in der Lage, gute Spiele abzuliefern.

Gremmelspacher: Selbst, wenn wir zu Hause mit fünf Toren Differenz verlieren sollten: Dann müssen wir sie eben auswärts mit sechs schlagen. Es kommt auf jeden einzelnen Treffer an. Für mich ist klar: Ich will das Ding unbedingt reißen, wenn ich es schon in die Relegation schaffe.

Falls es klappt mit dem Sprung nach oben: Können Sie guten Gewissens auf ihr Aufsteiger-Team bauen oder müssten Sie auf vielen Positionen personell nachlegen?

Kees: Mit Sonja Christel aus Bietigheim haben wir schon einen Neuzugang. Ein, zwei Spielerinnen hätten wir gerne noch dazu. Wenn dann der Kader unverletzt bleibt, ist er bayernligafähig. Und unsere Mädels gehören auch in diese Liga.

Kees: Wir werden auch nächste Saison Spaß haben

Wie tragisch wäre es, wenn es nicht klappt mit dem Aufstieg? Fällt dann der Laden auseinander?

Kees: Nein. Wir werden auch nächste Saison Spaß haben, ob in der Landes- oder in der Bayernliga. Genau darum geht es im Hobbysport.

Sie und Ihr Bruder Peter haben die Landesliga-Handballerinnen jetzt ein Jahr lang gecoacht und machen in der nächsten Runde auch weiter. Wie würden Sie die Arbeit dieses Trainerteams beurteilen, Herr Kees?

Kees: Es ging für Peter und mich darum, die jungen Mädels und die erfahrenen Spielerinnen zusammenzuführen. Das war ein Spagat. Aber das haben wir, denke ich, ganz gut in den Griff bekommen. Den Mädels macht’s jedenfalls Spaß und der Erfolg gibt uns ja recht.

Blicken wir in die Zukunft. In der Jugend geht der VfL Günzburg künftig ein Wegstück gemeinsam mit dem TSV Niederraunau. Sehen Sie auch im Frauenbereich einen möglichen Kooperationspartner in der Region, mit dessen Hilfe es zu einer Leistungskonzentration und damit Leistungssteigerung kommen könnte?

Kees: Wünschenswert wäre das, weil auch wir natürlich Kräfte bündeln müssen. Wir haben Gespräche geführt, bislang allerdings ergebnislos.