Interview der Günzburger Zeitung

Was der 48-Jährige kurz vor dem Saisonstart über Neuzugänge im Bayernliga-Kader, mutige und bescheidene Ziele, Probleme in der Vorbereitung und sein Verhältnis zu den Spielern sagt

Ihr Vorgänger in Günzburg, Stephan Hofmeister, hat Sie schon vor Ihrem ersten Training hier über den Schellenkönig gelobt und immer wieder betont, wie glücklich er sei, den VfL in guten Händen zu wissen. Woher kennen Sie sich eigentlich so gut, Herr Czakó?

Czakó: Das fing an über kleine sportliche Kontakte. Ich war immer als Spieler in der gegnerischen Mannschaft, danach waren wir Trainerkollegen. Wir haben uns immer geschätzt, das liegt ja in der Natur der Dinge. Die Verbindung wurde dann enger, da unser jüngerer Sohn jetzt seit zwei Jahren bei ihm in der Günzburger A-Jugend spielt. Danach kam unsere Beziehung auf eine andere Basis und so hat sich das entwickelt.

Vorfreude auf eine junge Günzburger Mannschaft

Und irgendwann kam seitens des VfL jemand auf Sie zu und hat Sie gefragt, ob Sie das Bayernliga-Team coachen möchten. Wie fühlte sich das im ersten Moment an?

Czakó: Ich habe natürlich die Hintergründe mitbekommen, warum Hofmeister das nicht mehr machen wollte. Zuerst reagierte ich so, dass ich gesagt habe: Stephan, Du musst das weitermachen, auch wenn vergangene Saison nicht alles so gelaufen ist, wie Du es Dir vorgestellt hast. Ich habe also versucht, ihn zum Weitermachen zu überreden. Als das ausgeschlossen war, ergab sich eine Entwicklung, die von mir unabhängig ihren Lauf genommen hat. Sandro Jooß wechselte als Cheftrainer nach Blaustein, Stephan Hofmeister ist letztlich doch hiergeblieben als A-Jugendtrainer. Als das alles klar war, habe ich mich darauf gefreut, hier mit einer jungen Mannschaft arbeiten zu dürfen.

Einer Ihrer Spieler hat uns erzählt, Sie seien als Trainer der Gegenentwurf zu Stephan Hofmeister. Erklären Sie uns bitte, was er damit gemeint hat.

Czakó: Da müsste man fast den Spieler fragen, wie er das gemeint hat. Ich war kein direkter Kollege von Hofmeister, deshalb kann nicht richtig beurteilen, was uns zu zwei entgegengesetzten Polen machen könnte. Das kann ich schlecht erklären.

Dann fragen wir anders: Wie sind Sie denn als Trainer?

Czakó: Meine Philosophie ist: Ich muss meine Spieler, hm, lieben ist in der deutschen Sprache zu viel vielleicht, aber ich muss sie sehr mögen. Ich habe jetzt halt 14 weitere Söhne, so betrachte ich das Verhältnis.

Die Handball-Bayernliga ist Neuland für Sie. Wenn man als Trainer einer Mannschaft eine Liga nicht in- und auswendig kennt, vertraut man dann eher auf die eigenen Stärken oder studiert man hauptsächlich Videos von Spielen der Gegner?

Czakó: Man schaut sich selbstverständlich den Gegner auf Video an. Aber ich halte den Weg für besser, auf dem man sich in Relation mehr mit dem eigenen Spiel als mit dem des anderen beschäftigt. Wir müssen an uns glauben, unser Spiel verbessern, uns an den Plan halten – und dann werden wir versuchen, dem Gegner immer ein, zwei Törchen wegzunehmen.

Entwicklung eher in kleinen Schritten

Aus der Mannschaft wurde als Ziel formuliert, besser abzuschneiden als vergangene Saison. Da war der VfL Günzburg immerhin Dritter. Entsprechend optimistisch hört sich der Plan an.

Czakó: Ja, das musste ich auch mit der Mannschaft besprechen. Das war wirklich ein mannschaftsintern formuliertes Ziel, das in die Öffentlichkeit gelangt ist. Dass die Spieler intern so ehrgeizig sind, sich so ein hohes Ziel zu setzen, sehe ich natürlich als mutig und vorbildlich an, aber ich bin doch eher einer, der Entwicklung in kleineren Schritten betrachtet.

Was konkret heißt?

Czakó: Mein Ziel war nie an einen Tabellenplatz gebunden. Schon deshalb, weil ich die Liga und die Konkurrenten noch nicht kenne. Da soll sich vieles bewegt haben. Und auch aus dem Grund nicht, weil wir auf mehreren Positionen ganz junge Spieler haben, die in der vergangenen Saison noch nicht in Führungsrollen waren und jetzt erst hineinwachsen sollen. Da ist sicher großes Potenzial vorhanden. Aber wenn ich verlange, dass jeder 18-Jährige immer sein volles Potenzial abruft, bin ich nicht sicher, ob diese Forderung bei jungen Menschen Positives herauskitzelt. Mein Ziel ist es erst mal, die Mannschaft Spiel für Spiel weiterzuentwickeln und natürlich so viele Punkte wie möglich zu holen.

Uros Krasovec fällt auf unbestimmte Zeit aus

Der VfL ist dem Günzburger Weg der vergangenen Jahre treu geblieben und hat lediglich einen Neuzugang von außen geholt. Und nun heißt es, Uros Krasovec sei gar nicht einsetzbar. Was ist passiert?

Czakó: Leider Gottes ist im Moment krankheitsbedingt tatsächlich nicht absehbar, wann er wieder spielen kann.

Das hat die Vorbereitung sicher nachhaltig negativ beeinflusst.

Czakó: Er war als Abwehrchef eingeplant, darauf war die erste Phase der Vorbereitung zugeschnitten. Nach seinem Ausfall musste man neue Wege suchen. Das hat vieles auf den Kopf gestellt. Wir mussten nach fünf Wochen Vorbereitung eigentlich von vorne anfangen. Aber das Wichtigste ist, dass er inzwischen wieder bei der Mannschaft sein kann und wohl langsam gesund wird.

Hinzu kommt als Neuer im Männerbereich das Eigengewächs David Pfetsch. Ist er schon so weit?

Czakó: Er ist ein sehr schneller, cleverer Spieler und er hat auf jeden Fall das Potenzial, schon im ersten Aktiven-Jahr als wichtige Säule in die Mannschaft reinzuwachsen. Er sollte vielleicht noch ein paar Kilo draufpacken. Gut für uns ist auch, dass Jonas Guckler nach langer Verletzung wieder ins Training eingestiegen ist. Er soll zusammen mit Pfetsch auf Linksaußen den Verlust von Stefan Knittel wettmachen, der zurück nach Friedberg ging.

Werden auch in dieser Runde wieder A-Jugendspieler ins Männer-Team eingebaut?

Czakó: Fürs Erste müssen wir damit leben, dass es einen kleineren Kader gibt und dass jeder Spieler ein paar Prozent mehr übernehmen muss als zuvor. In diesem Jahr ist die Konstellation nämlich nicht ganz so einfach, was die A-Jugendlichen angeht. Es gibt nicht so viele Spieler, die überhaupt infrage kommen. Viele haben ein Doppelspielrecht und dürfen gar nicht bei uns in der Ersten eingesetzt werden. Andere, die aktuell von der Spielstärke her infrage kämen, sind noch keine 17 Jahre alt und dürfen deshalb nicht im Erwachsenenbereich ran. Dann bleiben vielleicht ein oder zwei Jugendhandballer übrig – und die spielen leider nicht auf Positionen, auf denen wir den größten Bedarf haben.

Enge Verbindungen sind entstanden

Beinahe drei Monate Vorbereitung liegen jetzt hinter Ihnen und der Mannschaft. Zuletzt ging es noch ins Trainingslager nach Ottobeuren. Waren Sie zufrieden damit?

Czakó: Das grundsätzliche Ziel des Trainingslagers in Ottobeuren war aus meiner Sicht, dass die Spieler mal nicht nur im Training zusammen sind, sondern zweieinhalb Tage wirklich miteinander verbringen. Dadurch entstehen noch engere Verbindungen. Das ist für mich ein sehr wichtiger Faktor.

Und jetzt ist die Mannschaft bereit für die Bayernliga?

Czakó: Ja. Die genannten Handicaps sind da. Ich hoffe, mehr passiert jetzt nicht mehr. Und dann können wir starten.

Das Gespräch führte Jan Kubica