Am Samstag um 16.00 Uhr kommt es in der A-Jugend-Bundesliga zum Bayrischen Derby gegen den TSV Allach. Gerne würde man den Fans dieses Spiel auch zu Hause bieten, leider haben sich aber die Verbandsoberen in ihrem sehr hohen und einsamen Elfenbeinturm ohne Rücksicht auf ihre eigene Handball-begeisterte Basis zu einer einfachen Runde hinreißen lassen.

Zwar haben die bayrischen Vereine gegenüber der süddeutschen Konkurrenz gewaltig aufgeholt, bayrische Derbys sind in der JBLH allerdings eine Seltenheit. Das liegt auch daran, dass die Jugendbundesliga nach geographischen Gesichtspunkten eingeteilt wird und die fränkische Vereine je nach Gesamtstruktur mal in den Westen und mal in den Osten gesteckt werden. Strategisch liegt hier der VfL übrigens sehr günstig. Die Nähe zu Württemberg schafft überschaubare Fahrten mit insgesamt oft geringer Gesamtstrecke als eine ungeliebte bayrische Oberliga. Fahrtechnisch haben es die Allacher da schon schwerer: 100 Kilometer sind es erst einmal bis Günzburg und dann kommt erst der Weg durch das Baden-Württembergische.

TSV Allach ist ein Traditionsverein, der zuletzt vor 46 Jahren übrigens in der Männer-Bundesliga spielte. Die A-Jugend-Qualifikation wurde vor ein paar Jahren schon einmal u.a. gegen den VfL Günzburg knapp verpasst. Es war allerdings fast eine Frage der Zeit, wann es die Oberbayern mal in die deutsche Eliteliga schaffen; denn Jugendhandball hat in der Eversbusch Turnhalle einen sehr hohen Stellenwert. Die männlichen B- und C-Jugend spielen immer auf Verbandsebene und auch die Breite, ein Günzburger Problem, passt, da die Reservemannschaften allesamt in der ÜBOL platziert sind. In der aktuellen A-Jugend befindet sich eine Reihe von Auswahlspieler aus der ganzen Region. Selbst zwei Talente aus Simbach, die es studienhalber in die Landeshauptstadt verschlug, haben sich dem TSV angeschlossen. Sehr viele, sehr unterschiedliche Spieler bilden den Kader. Leicht auszurechnen sind die Gastgeber nicht.

Kam der Münchner Vorgänger in der JBLH; die Akademie, in den ersten Monaten überhaupt nicht zum Trappen, so punkteten die Schützlinge von Trainer Andreas Krauß gleich bei ihrem ersten Auftritt. Mit 33 :33 entführten sie beim Erstliganachwuchs JSG Balingen-Weilstetten einen Punkt. Die Gastgeber lobten den Bundesliga-Neuling und sprachen von einem glücklichen Punktgewinn. Die 26:30-Führung der Allacher in der 53. Minute bestätigt diese Ansicht am besten. Besonders die rechte Angriffsseite mit Stephan Seitz und Noa Schilling war mit 10 Treffern schwer in den Griff zu bekommen. Auch Kreisläufer Cedric Riesner (4 Treffer), der ein Doppelspielrecht beim Drittligisten TuS Fürstenfeldbruck hat, ist ein brandgefährlicher Spieler.

Der TSV bereitete sich über viele Monate mit etlichen Trainingslagern und Testspielen auf die Runde vor und freut sich nun endlich daheim von der Leine gelassen zu werden. Auf die Günzburger wartet ein Hexenkessel: Erstes Heimspiel, starker Auftakt, endlich Bundesliga und eine lange eigene Handball-Historie: Das treibt in die Halle. Ein Vorteil muss das nicht sein, denn auch für Gäste ist ein volles Haus Zusatz-Motivation. Keiner weiß das besser als der VfL: Gerade die Württemberger, bei denen Jugendhandball kein Zuschauermagnet ist, weil sie sehr viele höherklassige Männerteams haben, kommen immer besonders gerne in die gut gefüllte Rebayhalle

Bei den Weinroten analysierte man die Niederlage gegen die HG Oftersheim gewohnt kurz, und diesmal ohne Beamer, der kaputt ausfiel. Schuld war man selber und Ansatzpunkte zur Besserung gab es erfreulicherweise genügend. Zwar wartet ein starker Gegner und es wird arg laut, aber genau solche Herausforderungen sucht man ja in der JBLH: Alle Spieler sind kerngesund, gewohnt fröhlich und voller Handball-Tatendrang.