Bericht der Günzburger Zeitung

Günzburg schafft einen Comeback-Sieg vom Allerfeinsten

Erst wirken die Günzburgerinnen nervös, dann sind sie unterlegen – doch am Ende triumphieren sie im ersten Relegationsspiel zur Bayernliga.

Ein dicker Packen Belege stützt die Behauptung, nach der eine Günzburger Handball-Mannschaft erst dann verloren hat, wenn das Spiel vorbei ist. An diesem Sonntagabend kam ein Zettel obendrauf, auf dem schon jetzt alle Zutaten der Legendenbildung vermerkt sind. 19:24 lagen die VfL-Handballerinnen im ersten Relegationsspiel zur Bayernliga hinten. Zehn Minuten waren noch zu spielen gegen einen SV München Laim, der die Partie in der Rebayhalle bis dahin dominiert hatte. Doch urplötzlich waren die Mädels in den weinroten Trikots da. Auf einmal glaubten sie an sich und an ihre Stärken. Und sie holten auf, Tor um Tor, machten den Rückstand wett, gingen anschließend sogar in Führung und siegten am Ende 27:24.

Selbst Trainer Jürgen Kees kann es kaum glauben

Während sich seine Spielerinnen herzten und die Günzburger Fans unter den 800 Zuschauern (auch Oberbürgermeister Gerhard Jauernig fieberte mit) begeistert jubelten, stand Trainer Jürgen Kees die Anspannung noch ins Gesicht geschrieben. 45 Minuten lang hatten seine Mädels kaum etwas dafür getan, um den Traum von der Bayernliga am Leben zu halten. Sie agierten übernervös und kamen, wie Kees formulierte, „mit der Abwehr der Gäste nicht zurecht, obwohl wir genau dieses Schema besprochen hatten“. Hinten fingen sie sich einen Gegenstoß-Treffer nach dem anderen, zu viele, um sich ernsthafte Siegchancen ausrechnen zu können. Dazu hatten sie den Schock zu verdauen, dass sich Réka Kovàcs beim Aufwärmen schwer am Sprunggelenk verletzte und damit eine Kreisläuferin komplett ausfiel. Der Coach gestand ein, nicht einmal er habe eine Viertelstunde vor Schluss an einen Sieg geglaubt. „Eigentlich war das Ding schon fast weg“, sinnierte er und fügte hinzu: „Ich hatte gehofft, dass wir noch mal ein bisschen rankommen, damit wir hoffnungsfroh ins Rückspiel gehen können.“

Mit einem Comeback wie dem folgenden konnte selbst er nicht rechnen. Woher die Mädels die Kräfte für die Aufholjagd nahmen, wusste in der ersten Analyse ohnehin keiner konkret zu sagen. Vielleicht war es wirklich so, dass ein böser Schlag auf die Nase von Martina Jahn das Jetzt-erst-recht-Gen freisetzte. Jedenfalls waren die Weinroten auf einmal hellwach in der Abwehr und eiskalt im Angriff. Tanja Stoll gelang der Auftakt zum sagenhaften Zehn-Minuten-Höhenflug. Es blieben noch vier Tore aufzuholen. Alena Harder traf. Noch drei. Lena Götz netzte ein. Noch zwei. Dann war Jahn an der Reihe. Gnadenlos versenkte sie ihren fünften Siebenmeter. Ein Tor Rückstand. Dann traf sie aus dem Feld. Ausgleich. Wieder Siebenmeter, wieder Jahn, wieder drin. 25:24. Der Wahnsinn nahm Formen an. Und der Spielwitz kehrte zurück. Götz veredelte einen Kempa-Trick mit dem 26:24. Und dann, noch eine Sekunde war auf der Spieluhr übrig, schlug Harder zu.

Es war Werbung für die Mädels

27:24. Das lässt hoffen für das Rückspiel am kommenden Samstag, 25. Mai. Zumal leistungsmäßig für die finalen 60 Minuten dieser Saison reichlich Luft nach oben bleibt. Ja, an der Donau darf an den Aufstieg geglaubt werden. Doch unabhängig davon, ob es für die Mission Bayernliga ein Happy-end gibt oder nicht: „Diese Schlussphase allein und diese geniale Stimmung in der Halle waren Werbung für die Mädels“, urteilte Kees.