Am Samstag um 19.00 Uhr wird für den VfL Günzburg das letzte Spiel einer erfolgreichen Saison 2018/2019 angepfiffen. Danach weiß man in der stolzen schwäbischen Handballhochburg, ob in der kommenden Runde sowohl bei Damen als auch bei den Herren Bayernligateams in das sporthistorisch bedeutende Tor der Rebayhalle ein- und ausgehen werden. Nüchtern wird am Ende die Rechnung sein. Zwei Relegationsspiele über je 60 Minuten werden nach den einfachen Gesetzen des direkten Vergleiches addiert oder gegeneinander aufgerechnet. Die Handballrealität davor sieht ganz anders aus: Es ist mit einem Handballkrimi zu rechnen. Spannung pur, mit überraschenden Wendungen, die die einen erfreuen, die anderen an die Grenze zum Wahnsinn treiben. Zeitstrafen, die ewig “bösen” Schiedsrichter, vor allem Tore, der entschlossene Kampf junger Athletinnen nach gerechten Regeln wird die Fangruppen in ihren Bann ziehen. Die Halbzeitpause werden selbst die Zuschauer gut gebrauchen können, auf die beruhigende Wirkung traditioneller hopfenhaltiger Getränke oder des Damen-haftereen Proseccochen hoffend.

Was war das für ein Spiel am vergangenen Sonntag? 800 Zuschauer bei einem Frauenspiel (?!) , vermutlich gab es das noch nie in Günzburg? Bayernweit fragte man sich mal wieder, was geht da wieder in Günzburg ab.

Der Laimer SV wirkte erst überlegen. Führte in der 50 Minuten mit 4 Toren. Dann aus dem Nichts das Aufbäumen der jungen Günzburgerinnen. Ein phänomenaler 7:0-Lauf, gerade als die ersten Zuschauer im Insiderwissen der Ahnungslosen die Halle verlassen wollten, weil “eh alles klar war”. Gut, dass sie lange genug warteten, denn urplötzlich wurde die Halle zum Tollhaus und ganz nebenbei das Spiel gekippt. Jäh gewann der VfL das Spiel mit 27:24. Ganz nüchtern sind das halt zwei Punkte und drei Plus-Tore: Nach den Optimisten und Pessimisten vor dem Spiel ist nun die Zeit der Spekulanten. Während an der Donau bang gefragt wird: “Reicht das”; wird an der Isar viel von Revanche und Aufholjagd gesprochen.

Höchster EInsatz ist am Samstag zu erwarten. Der Zoll der letztwöchigen Kämpferei war hoch. Die unermüdliche Réka Kovacs verletzte sich am Sprunggelenk und wurde bereits am Dienstag operiert. Aufhalten kann sie das nur teilweise. Spielen kann sie zwar nicht, aber zum Anfeuern ist sie dabei. Noch schlimmer erging es den sympathischen Laimerinnen: Gleich zwei ihrer Spielerinnen erlitten in Günzburg einen Kreuzbandriss. Der VfL Günzburg wünscht allen Beteiligten keine Schmerzen und einen optimalen Heilungsverlauf. Sport ist immer auch hart und ungerecht. Die Verletzten wissen das, einer der Releganten erfährt es am Samstagabend wie eine ganze bittere Pille.

Doch Sportlerinnen blicken optimistisch, vorfreudig voraus. Im letzten Spiel noch einmal alles raushauen und damit eine ohnehin tolle Saison als Vizemeister mit dem Aufstieg in die bayrische Eliteliga krönen, hört man in der Günzburger Sporthalle und in den Kabinen in der Münchner Riegerhofstraße 20.

Die imponierende Schlussphase gibt Selbstvertrauen. Das strotzt nur so vor mentaler Stärke und körperlicher Fitness. Mit dem vermeintlich “schwachen Geschlecht” hatte das gar nichts zu, da waren echte Athletinnen am Start. Natürlich wurde das Spiel aufgezeichnet und von den akribisch arbeitenden Kess-Brüdern genau analysiert. Die Erkenntnisse haben sich wenig verändert. Es gilt die unangenehme vorgezogene Abwehrspielerin zu umspielen und genau abzuschließen, denn die Laimer Deckung ist die Basis für eine Gegenstoßmaschine. 856 Tore erzielte die oberbayrischen Torfabrik, davon die meisten via Gegenstoß, oft über die pfeilschnelle Linksaußen. Hoch hängen die Trauben in der Riegerhofstraße. Nur gegen den Süd-Meister TSV EBE Forst United verloren die Laimer First Ladies wie sie sich selbst nennen, gegen HT München wurde ein Punkt hergeschenkt und ansonsten wurde vizemeisterlich alles zu Hause gewonnen, oft mit 35 oder 36 Treffern. Einmal wurde gar die 40-Tore-Marke genommen, fast undamenhaft fetzig.

Aber all das macht den Schützlingen von Peter und Jürgen Kees nicht bang, das wusste man auch schon vor dem legendären Hinspiel. Es hob die Konzentration, mehr nicht. Da neben Réka Kovacs auch Ines Leix ausfällt, wird aus der “Zweiten” aufgefüllt.

Drei Gönner ermöglichten einen Fanbus. Innerhalb kürzester Zeit, waren die Plätze vergriffen. Zusätzlich sind Fahrgemeinschaften gebildet. Die Halle ist klein, kaum Tribünen stehen zur Verfügung. Auf den Krimi folgt der Hexenkessel Die Parkplatzsituation ist schwierig, erklärten die freundlichen Gastgeber im Vorfeld. Näheres dazu auf der Facebookseite des VfL Günzburg.

Die uralte schwäbische Handballhochburg Günzburg wartet am Samstag gespannt auf das nüchterne Gesamtergebnis.