Nach einer 29:27-Auswärtsniederlage (Hinspiel: 27:24) beim SV München-Laim haben die Günzburger Damen ihren Traum von der Bayernliga Wirklichkeit werden lassen. Die schwäbische Handballhochburg Günzburg steht damit im Damen- und Männerhandball großartig da. Damen und Herren in der Bayernliga. Die A-Jugend in der JBLH. Jede Jugendmannschaft, außer der weiblichen A-Jugend, besetzt. Das ist kein Pfund, sondern für bayrische Verhältnisse eine ganze Handball-Tonne, die stolz macht und die es in der kommenden Saison zu verteidigen gilt. Mächtige Angreifer werden hochklassige Punkte rauben wollen.

Schon beim Betreten des Laimer Sportgeländes spürt man, der SV ist ein liebevoller Verein. Die alte großstädtische Halle war bestmöglich hergerichtet. Zur Ergänzung der kleinen Tribüne an der Frontseite waren Stühle und Bänke in der Halle aufgebaut um den gut 400 Zuschauern gute Sicht zu verschaffen. Es wurde eigens gegrillt, der Verkauf war bestens organisiert und zuvor waren die Laimer Handballkinder zum Spielfest geladen.

Dann ging es bei großartiger Stimmung los. Auch der VfL leistete seinen Beitrag dazu. Der Verein für Leibesübungen ist stolz auf seine Damenmannschaft. Das spürte man. Ein Fanbus war rappelvolle, viele Günzburger Pkw-Fahrer suchten im Vorfeld erwartungsvoll nach versteckten Parkmöglichkeiten.

Endlich wurde angepfiffen. Es war kein Handballkrimi, sondern ein Spiel am Abgrund, voller Fallen, für beide Seiten immer mal an der Grenze zur Nichtaufstiegs-Tragödie – fesselnd und packend. Was sollte man auch erwarten, drei Plustore für die Weinroten sind im Handball nichts und es trafen Oberbayerinnen, die nach 26 Spielen 41:11-Punkte auf Schwäbinnen, die 39:13 Punkte erspielt hatten, entschlossen aufeinander. Da kracht es, das hat nichts mit dem “Mädchensport” zu tun, denn sich herzensgute Mütter vor vielen Jahren für ihre Kinder ausgesucht hatten.

Das 1:0 erzielte Paulina Spurk. Judith Deutschenbauer glich von Linksaußen zum 1:1 aus. Früh traten die Schiedsrichter in den Vordergrund. 16 Zeitstrafen und eine rote Karte sprachen sie in der fairen Begegnung aus. Die vielen Unter- und Überzahlverhältnisse trugen zur Nervensägerei bei. Immerhin ihre Linie zogen sie durch, das freut Schiedsrichterbeobachter. Die Mannschaften und Trainer blieben focusiert. Auch das eine große Leistung. Nach einem 3:1, konnte Martina Jahn wieder ausgleichen. In der 12 Minute gelang Alena Harder die erste VfL-Führung. Nun folgte die beste Günzburger Handballzeit an diesem spannenden Abend. In der 17. Minute knallte Lena Götz, die immer da war, wenn man ihr Platz ließ zum 6:10. Schöne Zeit für zarte Günzburger Bayernligaträume. Vielleicht lag es an der Auszeit der sympathischen Gastgeber. Schon in der 21. Minute wurde wieder auf der Rasierklinge geritten. Marline Weihkamp traf zum 10:10-Ausgleich. Beide Teams deckten sehr offensiv, der VfL bekam in dieser Phase deutlich zu viele Rückraumtreffer. Dafür fruchteten die Appelle der Kees-Brüder, nicht schnell, sondern sehr schnell zurückzurasen. Die gefürchtete Laimer Gegenstoßmaschine kam nie zum Laufen. Am Ende war dies ein Erfolgsgeheimnis. Das 14:14 durch Martina Jahn war ein gerechtes Halbzeitunentschieden weit von jeder Entscheidungsreife. Das Halbzeitbier und frische Luft taten gut, während die Trainer taktische Schwerstarbeit ablieferten und die Damen um Erholung rangen.

Nach dem Wiederanpfiff kämpften beide Teams packend weiter. Martina Jahn und Lena Götz übernahmen in dieser Phase immer wieder erfolgreich Wurfverantwortung für ihr Team. Dann in der 44. Minute beim Stand von 19:20 eine Rote Karte für Martina Jahn, die bis zu diesem Zeitpunkt bereits sieben Treffer erzielt hatte und auch in der Abwehr Schwerstarbeit verrichtet hatte. Es war eines dieser Fouls, bei der eine Angreiferin nach unten abtaucht und vor allem deswegen unglücklich erwischt wurde. Kein Klagen, hilft ja nichts! Es waren drei Minuten, in denen 4 Zeitstrafen und eben diese Disqualifikation ausgesprochen wurden. Das ist kein Spaß für die Mannschaften. Lena Götz antwortete trocken mit dem 19:21. Sollten die Kräfte ohne Martina Jahn reichen?

In der 48. Minute trag wieder diese Weihkamp zum 23:22. Neben begeistertem Abwehrkampf der ganzen Mannschaft waren es in der Offensive nun Tanja Stoll mit Schlagwürfe und Alena Harder, die immer wieder einnetzten. Erstaunlich wie Alena Harder ohne klassisches Kampfgewicht sich immer wieder in die Lücken warf. In der 52. Minute das 24:24. Nun hatte der VfL auswärts mehr Tore erzielt, fortan reichte wenigstens eine Drei-Tore-Niederlage zum Aufstieg. In der 55. Minute netzte Tanja Stoll zum 26:27. Das sollte doch reichen, dachte der gemeine VfL-Fan.

Doch Handball ist Handball, da wird nicht gekickt, gebaggert oder irgend ein Ball hin und her geschoben. Der herrliche Sport ist bei kleinsten Fehlern gnadenlos. Zweimal Ronja Flemming (insgesamt 9 Treffer), einmal Marline Weihkamp (insgesamt 11 Treffer) und es stand mal wieder in Unterzahl 29:27. Man spürte der großartige Kampf verschliss Kräfte, das Zahnfleisch musste nun herhalten und Lisa Gremmeslpacher. Sie wurde nach einigen Rückschlägen während des Spieles zur Retterin: Zuerst gegen die frei vorstürmende Linksaußen, dann von der Bank als sie 15 Meter sprintete und im Hechtsprung den fast ins leere Tor gerollten Ball noch irgendwie herauszirkelte. So bleib es beim 29:27. Keiner konnte mehr bis zum Schlusspfiff. Dann pure, befreiende Günzburger Freude. Frau war Bayernliga. Es war eine ganz starke, aufopferungsvolle Mannschaftsleistung.

Phantastisch der SV Laim. Keine offene tiefe Trauer, Freude über das in der Saison erreichte, ehrliches Gratulieren und die wunderbare Kraft sich von den eigenen Fans feiern zu lassen. Toller Handballsport.

Für Judith Deutschenbauer war es das Ende ihrer großartigen Handballkarriere. Nach einem Bayernligaaufstieg kann man getrost kürzer treten. Eine eigene schöne kleine Geschichte in der Aufstiegs-Saga.

zur Statistik:

https://bhv-handball.liga.nu/cgi-bin/WebObjects/nuLigaDokumentHBDE.woa/wa/nuDokument?dokument=meetingReportHB&meeting=6404754&etag=2c7d360a-5789-4209-bb00-c05df2c1afd3