Am Dienstag um 19.30 Uhr bestreitet der VfL Günzburg ein Freundschaftspiel gegen Frisch-Auf Göppingen. Vergleichsspiele zwischen den Saisonen haben Tradition in der neueren Günzburger Handballgeschichte. Unvergessen die Begegnungen gegen den damaligen frisch gebackenen deutschen Handballmeister HSV Hamburg oder die Füchse aus Berlin. Rappelvoll war die alt-ehrwürdige Rebayhalle jeweils. Das Spiel gegen den HSV dokumentierte auch den vorübergehenden Komplett-Niedergang des Günzburger Männerhandballes. Nicht der VfL selbst nahm damals in der Halle das immer ungleiche Gefecht auf, sondern der damalige Drittligist Friedberg diente als umjubelter Platzhalter. Immerhin wurde aus dem verschämten Bezirksoberligisten wieder ein stolzer Bayernligist. Die Handballbegeisterung ist nach Günzburg zurück gekehrt. Zuletzt die Damen, immer einmal die JBLH-A-Jugend und regelmäßig die Männer machen bei ihren Spielen wieder die Nordtribüne stimmungsvoll zu Handballerlebnissen. Darauf darf man auch am Dienstag hoffen.

Weit von der Viertliga-Realität entfernt der Dienstagsgast Frisch-Auf Göppingen, aktuell Achter der lange stärksten Liga der Welt, der HBL: Doch es ist nicht nur irgendein Achter, da kommt deutsche Handballgeschichte an die Donau. Zunächst 9 Mal waren die württembergischen Schwaben Deutscher Handballmeister. Die Hochzeit war in den 50er und 60er-Jahren. Als die “Kempabuben” u.a. zweimal den Europapokal der Landesmeister errangen. Noch ohne eigene Halle konnten die ersten Hallentitel neben dem Großfeld errungen werden. Später 1970 und 1972 kamen noch zwei weitere Deutsche Meisterschaften unter den stolzen Hohenstaufen dazu. Und später als der VfL Günzburg sein Handballmärchen bis in den Europapokal schrieb, prägte vor allem die Wurfmaschine Jerzy Klempel das Bild der Grün-Weißen, unvergessen für die älteren Günzburger Handballfans dessen Rückraum- und Freiwurftore. Da der Pole bezahlt wurde und damals gegen den Amateurstatus verstieß, musste das Aushängeschild des deutschen Handballes zwangsabsteigen. Spitzensprit war schon immer auch ein wenig verlogen. Jahre duellierten sich beide Vereine dann in der 2. Liga. Es waren DIE Schwabenderbys der damaligen Zeit. Gut leiden konnten sich die rivalisierenden Fangruppen damals überhaupt nicht, Handball war damals gröber, Vereinswechsel eher selten, die eigene Farbe war Prinzi, die andere Feindbild. . Während dann der VfL in die Uferlosigkeit der Kreisliga zurück fiel, gelang den Göppinger 2001 die Rückkehr ins Oberhaus. Unter dem heutigen Füchsetrainer Petkovic gelangen vier EHF-Pokalsiege, der Bogen zur vormaligen europäischen Göppinger Handballgeschichte war so neu gespannt. Auch wenn der Frisch-Auf-Fan um seine große Vergangenheit wissend, ein stets sehr kritischer Begleiter der eigenen Leistungen ist.

Nicht nur wegen der vielen historischen Berührungspunkte, sondern auch wegen der geographischen Nähe hat sich ein solches Freundschaftsspiel längst angeboten. Oft suchte Abteilungsleiter Armin Spengler nach einem geeigneten Termin. Dieses Jahr hat es nun endlich geklappt und so empfängt der kleine David VfL Günzburg am Dienstag den Riesen Frisch-Auf um mit dem gebührenden Respekt zu versuchenein wenig aufmüpfig zu sein.

Personell könnten die Unterschiede nicht breiter, gewichtiger und vor allem größer sein. Immerhin könne die tapferen Weinroten etliche frühere Bezirks-Jugendauswahlspieler stellen, Nico Jensen und Daniel Jäger durften weiland sogar nach Berlin zu einer DHB-Jugendsichtung und Frieder Bandlow war sogar schon zu einem Lehrgang der Jugendnationalmannschaft eingeladen. Da wirkt der Gast bedrohlich: Im Tor der 83-fache slowenische Nationalspieler Primoz Prost, die dänischen Nationalspieler Allan Damgaard, Jakob Bagersted und Tim Sörensen, für Kroatien spielte Jvan Sliskovic 54 und Kresimir Kozina 23 Mal,, der 50fache bosnische Internationale Josip Peric und der 65 serbische Nationalspieler Nemanja Zelenovic. Mit Tim Kneule wurde auch ein württembergisches Handballkind vom TV Neuhausen/Erms bei den Grün-Weißen zum 30fachen DHB-Nationalspieler, der Traum eines jeden Jugendauswahlspielers. Rekordtorschütze mit aktuell 190 Toren ist Marcel Schiller, ebenfalls vormals beim TV Neuhausen. Da dürfte sich Rechtsaußen Jonas Lehr die leise Frage stellen: “Was nun?.

Trainiert wird die Mannschaft von Hartmut Mayerhoffer. Hier gibt es dann wieder eine gemeinsame Geschichte; denn er spielte zur Günzburger Zweitligazeit beim VfL: Zusammen mit Armin Spengler und teilte er sich mit ihm die Rückraummitte-Posiition, einer seiner Trainer damals Stephan Hofmeister.

Für Frisch-Auf ist es die letzte Bundesligawoche. Am darauffolgenden Sonntag folgt um 15.00 Uhr in der heimischen EWS-Arena der Saisonabschluss gegen den SC Magdeburg. Vielleicht kann der größte aller Handballtraditionsverein am Dienstag ja neue Fans dazu gewinnen? Der VfL befindet sich in der ersten Trainingswoche. Neu-Trainer Gabor Czako möchte sie zum Kennenlernen nutzen. Ein echter Test ist das Spiel natürlich nicht. Immerhin wird zu sehen sein, wer sich was traut. Da muss dem Fan aber nicht bange sein.Erstmals im VfL-Trikot wird Neuzugang Uros Krasovec zu sehen sein. Auf ihn freuen sich die Fans besonders. Das Spiel ist vor allem auch ein Danke-schön für die großartige Unterstützung in der abgelaufenen – fast schon gewohnt erfolgreichen- Saison an die VfL-Zuschauer..