Als handballbegeisterter Günzburger durchlebte man in der letzten Saison ein Wechselbad der Gefühle. Die ambitionierten Hoffnungen auf den Gewinn der Bayernliga zerstoben innerhalb eines kurzen, aber trüben Herbstes. Dachte man zu Beginn noch, dass die Mannschaft nach der überraschend erfolgreichen Saison 2017/2018 zu höherem bereit wäre, so wurde allzu schnell jeder Beteiligte auf den neuen, blauen Hallenboden der Tatsachen zurückgeholt.
Mit sechs Niederlagen und zwei verlorenen Derbys musste an der Donau ohne jede Chance auf den Aufstieg überwintert werden. Die Gründe müssen bei sich selber gesucht werden. Jugendliche Unbekümmertheit gepaart mit einem Schuss zu viel Selbstgewissheit führen in dieser Liga zu solchen Ergebnissen. Hier gibt es keinen Gegner, gegen den die jüngste Mannschaft mit angezogener Handbremse locker gewinnen kann. Jeder Punkt muss auch gegen vermeintlich schwächere Mannschaften durch vollen Einsatz hart erkämpft werden.

So bitter das war, die Reaktion der Günzburger Jungspunde war erwachsener, als man es hätte erwarten dürfen. Aus Fehlern wurde gelernt und ehemals selbstverständliche Tugenden wurden wiederentdeckt. Gleich zu Beginn der Rückrunde gab es ein mit einem packenden Unentschieden gegen starke Rimparer das erste Ausrufezeichen. Dies markierte den Beginn eines fulminanten Frühlingserwachens in der Rebayhalle. Bis auf das Spitzenspiel gegen Meister Bad Neustadt wurde kein Spiel in der Rückrunde verloren. In der Rückrundentabelle blieb man mit nur einem Punkt Abstand auf Platz zwei und beendete die Saison insgesamt mit dem besten Ergebnis seit dem Rückzug aus dem Profihandball. Die Handballhochburg Günzburg hat sich sehr zu Freude aller erfolgreich zurückgemeldet.

Trainerwechsel trotz erfolgreicher Saison

Der Durchschnittstrainer wäre mit diesem Ergebnis zufrieden gewesen. Nicht so Coach Stephan Hofmeister. Bei ihm wird in Drei-Jahres-Plänen gedacht und der letzte sah eben den Aufstieg in die dritte Liga vor. Sehr zum Bedauern aller Beteiligten verkündete er seinen Rücktritt nach Beendigung der Saison.
Trainerwechsel sind oftmals mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Hofmeister und Abteilungsleiter Armin Spengler schafften allerdings einen blitzsauberen Übergang. Der ehemalige Trainer der Bayernligahandballer bleibt weiterhin für die so wichtige A-Jugend verantwortlich und half, mit Gábor Czakó einen renommierten Trainer an die Donau zu holen.
Czáko spielte in seiner aktiven Zeit unter anderem in der ungarischen ersten Liga, für den TSV Ottobeuren und die TSG Söflingen in der hiesigen dritten Liga. Söflingen blieb er lange Jahre als Trainer verbunden und wurde regelmäßig in der Oberliga Baden-Württemberg zu einem der besten seines Faches gewählt.
Fast schon perfekt zu Günzburg passt die Philosophie Czákos, nicht über altgediente und teure Spieler den Erfolg zu erkaufen, sondern auf die eigene Jugend zu setzen. Neben der sportlichen Leistung ist es eben die starke Verwurzelung und Identifikation eines jeden Spielers mit dem VfL, der die altehrwürdige Rebayhalle an Heimspieltagen zu einem prall gefüllten Hexenkessel macht, der von jedem Gegner in gleichem Maße gefürchtet, als auch bewundert wird. Ein wahres Handballfest. Für Günzburg muss diese Symbiose zwischen Aktiven, Jugend und Fans zwingend erhalten bleiben, um nachhaltig erfolgreich zu sein. Mit Czakó konnte ein weiteres Puzzelteil in dieses Bild eingefügt werden und die eingeschlagene Richtung konsequent verfolgt werden

Vorschau auf die neue Runde

Die vergangene Rückrunde hat gezeigt, dass der VfL in der Lage ist, ganz oben in der Bayernliga mitzuspielen. In der neuen Spielzeit muss das Ziel sein, an den Erfolg der letzten Spiele anzuknüpfen und sich von Anfang an im oberen Tabellendrittel festzubeißen. Leicht wird das auf keinen Fall. Der VfL ist allerdings gut für diesen Kampf gewappnet. Der Kern der Mannschaft kann wieder ein Jahr mehr Erfahrung und Entwicklung aufzeigen. Zudem wurde der Kader durch Uros Krasovec verstärkt. Mit 32 Jahren ist er der mit Abstand älteste Spieler im Team und soll in komplexen Spielsituationen die jungen wilden durch seine Erfahrung zum Sieg führen.
Besonders freudig hat der sportliche Leiter Fabian Schoierer den Verbleib von David Pfetsch und Frieder Bandlow verkünden können. Letztes Jahr waren beide Stützen der A-Jugend und konnten schon mal in die „Erste“ reinschnuppern. Hier bewiesen sie, dass sie absolut viertligatauglich sind und das Potential haben, den Sprung nach oben zu schaffen. Beide sind schon komplett in die Mannschaft integriert, man kennt sich ja sowieso durch lange Jahre im Verein. Vor allem sportlich dürften beide, trotz ihres jungen Alters den Zuschauern viel Freude bereiten und der Mannschaft einen ordentlichen Schub nach vorne geben. Insbesondere Bandlow, der schon an zwei DHB-Lehrgängen teilnehmen durfte und trotz hochklassigen Angeboten in Günzburg blieb, darf als Versprechen für die kommende Runde gesehen werden.
Ziel für die kommende Saison ist einfach gesagt, ein besseres Abschneiden wie letztes Jahr. Praktisch ist das eine ordentlicher Herausforderung. Anders als die letzten Jahre, in denen immer ein Team die Liga dominiert hat, darf dieses Jahr ein munterer Vielkampf um die Sonnenseite der Tabelle erwartet werden. Aus der dritten Liga sind dieses Jahr mit dem TV Erlangen-Bruck und der zweiten Mannschaft der HSC 2000 Coburg zwei starke Mannschaften abgestiegen. Insbesondere für das Perspektivteam aus Coburg ist es wichtig, den eigenen Jugendspielern eine Mannschaft in der dritten Liga anbieten zu können. Auch alte Bekannte, wie die DJK Waldbüttelbrunn, und die HASPO Bayreuth gehen gestärkt in die neue Saison und wollen wieder oben angreifen. Mit Stefan Knittl und Manuel Scholz konnte der TSV Friedberg zwei ehemalige Spieler aus Günzburg verpflichten und schicken einen der nominell stärksten Kader der Liga ins Rennen. Getoppt wird das lediglich durch die Adler aus Regensburg, die nach einem Mittelfeldplatz letztes Jahr viel in den neuen Kader investiert haben und zum engen Favoritenkreis um die Meisterschaft gezählt werden dürfen. Daneben gibt es mit drei ambitionierten Aufsteigern wahre Wundertüten, bei denen die Topteams sicherlich den ein oder anderen Punkt liegen lassen werden. Besondere Aufmerksamkeit muss die zweite Mannschaft der Panther aus Fürstenfeldbruck erfahren, die mit einer gefährlichen Kombination aus hungrigen Nachwuchstalenten und erfahrenen Haudegen für die eine oder andere Überraschung sorgen wird.
Das Ziel, wieder eine bessere Saison abzuliefern hört sich folglich einfacher an, als es bei genauerer Betrachtung ist. Nur durch Kampf, Emotion und als Mannschaft kann es dem VfL möglich sein, im Spiel um die bayerische Meisterschaft so lange wie möglich mitzuhalten. Im Machbar ist es auf jeden Fall. Nun haben es die Spieler in der Hand. Auf jeden Fall dürfen handballinteressierte sich auf eine Saison freuen, die so spannend an der Spitze wird, wie schon länger nicht mehr.
Bestens untersützt wird die Mannschaft durch die Physias Susi Schwarz und Melanie Meier, sowie Physio Hans-Peter Beer. Auch Lisl Pohl schafft es, durch seine ruhige und talentierte Organisationsweise ein Umfeld zu garantieren, in dem sich jeder wohl fühlt, auch Hausmeister Wiedmann.
WIR werden wieder alles geben.