Leicht habe es Damen in einem Verein, der in den 80er Jahren seine größten Erfolge im Männerhandball u.a. mit dem Erreichen des Halbfinales im Europapokal der Pokalsieger feierte nie. Doch auch der Bayernliga-Damen-Handball hat beim VfL Günzburg Tradition. Schon zur Regionalligazeit spielten die weinroten Schönen ebenfalls in der Bayrischen Eliteliga. Trainer war damals der heutige Anzinger Löwen-Dompteur Hubert Müller. Die Klasse wurde bis in die Bundesligazeit gehalten. Noch heute schauen die ehemaligen Spielerinnen Helga Zürn, Dietlinde Schreiner und Renate Schildwächter, die damals begeistert auf Torejagd gingen bei den Spielen zu. Dann wurde es lange ruhiger um den Frauenhandball in der großen Kreisstadt. 2009 stiegen die Günzburgerinnen dann unter Trainer Robert Mayer wieder über die Relegation gegen den TSV Zirndorf in die 4. Liga auf. Silvia Mayr, Judith Deutschenbaur und Juliane Rembold gehörten damals zu den Leistungsträgerrinnen. Unvergessen auch der rührige damalige Manager Erich Högel. Es war die Zeit als die Männer in der BOL-Versenkung verschwunden waren und die Damen den sportlichen Ton im Traditionsverein angaben. Nach dem Abstieg blieb es dem damaligen stellvertretenden Abteilungsleiter Robert Mayer immer ein großes Anliegen nicht nur den Männerhandball unter Stephan Hofmeister nach oben zu bringen, sondern dem Handballfan die ganze Breite von erfolgreichen Handballsport zu bieten und so begann der lange Kampf um die Rückkehr ins bayrische Oberhaus.

Starker Jahrgang

Wieder unternahm Robert Mayer als Coach einen Aufstiegsversuch, gab dann den Trainerstab an Stephan Volmering weiter. Gleichzeitig übernahmen die Kees-Brüder einen ganz starken Mädchen-Jahrgang von Franzi Aust und Mister “Damenhandball” Wolfgang Behm. Plötzlich klopfte man an das Tür zur JBLH und so war es folgerichtig, dass die Kees-Brüder in der vergangenen Saison das Damenteam verbunden mit ihrem Mädchenjahrgang übernahmen.

Aufstieg über Relegation

Die Eingliederung in die Nordstaffel war geographisch erst einmal ein Schreck, doch man hoffte, dass die Mannschaft dort ein wenig schwächer seien, denn der Aufstieg war das erklärte Ziel. Am Ende setzte sich der TSV Winkelhaid mit 43:9 Punkten souverän durch. Der Direktaufstieg war dadurch vergeben. Den langen Kampf um Platz zwei, der zur Relegation berechtigte, entschieden die Weinroten für sich. Lena Götz war mit durchschnittlich 7,13 Treffern Zweite der Torschützenliste geworden. Gegner für die Aufstiegsspiele wurde der Süd-Zweite SV Laim, eine wahre Torfabrik. 856 Treffer erzielten die Münchnerinnen, 724 der VfL: Man hatte Respekt und war gewarnt.

Los ging es in Günzburg. Was für eine Kulisse, die Nordtribüne war gerammelt voll. Günzburg ist wieder zur Handballhochburg geworden. Die Gäste zeigten sich zunächst überlegen. Beim 19:24 in der 50: Minute schien die Aufstiegsmesse gelesen. Still war es in der Halle geworden. Keiner konnte zu diesem Zeitpunkt ahnen, dass dies der letzte SV-Treffer gewesen sein sollte. Ein 8:0-Lauf kippte die Begegnung. Von der Anzeigentafel prangte ein 27.24. Die Halle stand Kopf. Es war eine Sternstunde des Günzburger Damenhandballes und sollte nicht die einzige bleiben.

Sieg gelingt erst auf der Zielgeraden

Es ging zum Rückspiel in die prall gefüllte Laimer Halle. Das Spiel war ausgeglichen. Dann zog der VfL auf 6:10 davon. Die Gastgeberinnen konterten. Zur Halbzeit war beim 14:14 wieder alles offen. Weiter wurde zäh gerungen. Beim 19:20 erhielt die sehr starke Martina Jahn eine Rote Karte. Die Mannschaft rückte noch enger zusammen. In der 56. traf Tanja Stoll zum 26:27. “Das müsste doch reichen”, dachten die mitgereisten VfL-Fans. Doch es ist Handball! Eine Minute vor Schluss traf Ronja Fleming zum 29:27. Alles offen. Zwei Glanztaten von Lisa Gremmelspacher. Schluss! Das reichte (in der Addition).

Die Damen sind wieder in der Bayernliga.

Viel wurde seither trainiert, Testspiele bestritten, das stark besetzte Turnier in Kissing konnte gewonnen werden. Team-Manager Wolfgang Behm konnte zwei starke Neuzugänge präsentieren: Von der SG BMB Bietigheim kam Sonja Christel, eine Rückraum-Allrounderin und vom FC Burlafingen stieß die groß gewachsene Kreisläuferin Svenja Engelmann zum Kader. Die Mannschaft wurde von den Kees-Brüdern gut vorbereitet. Es gibt nur ein Ziel: Den Klassenerhalt. Von den Männern wissen die Verantwortlichen wie groß der Sprung ist. Träumen hilft nicht, der Kampf muss es richten. Die Relegationsspiele haben gezeigt, dass genau das die Stärke ist. Das macht Mut.

Der VfL freut sich auf die Runde.

Bayernligastart ist am Samstag, den 14.09.2019, wenn um 19.00 Uhr in Mintraching angepfiffen wird. Mintraching/Neutraubling war in der letzten Saison Zehnter. Ein Woche drauf, am 21.09.2019 um 17.30 Uhr ist Heimspielauftakt gegen den letztjährigen Sechsten HSV Bergtheim.