Am Samstag um 15.30 Uhr findet das absolute Top-Spiel der Liga in Erlangen statt, wenn der dortige Handballclub als Tabellenzweiter den Dritten VfL Günzburg empfängt. Zweiter und Dritter, das liest sich nach einem Gefecht auf Augenhöhe, einem Stellungskrieg der Waffengleichen. Doch die Tabellenpositionen trügen, man muss genau hinschauen, die Wahrheit liegt in den Punktebilanzen.

Stolze 22:10-Punkte haben die Schwäbinnen im Busgepäck, viel mehr war wirklich nicht drin. Dennoch geht es noch viel besser wie die Fränkinnen zeigen: Unglaubliche 30:2-Punkte brachte ihre stürmische Punktejagd bislang ein. Lediglich beim Drittliga-Absteiger HSG Würm-Mitte wurde ein einziges Mal verloren. Es wird also der Kampf der Ur-Großnichten des kleinen David gegen die Ur-Großnichten des riesigen Golliat. Nur wenn mit aller letztem Einsatz und ein wenig Glück die eine verwundbare Stelle der Großen, Schnellen und Starken durch die Fügung der Handballgötter gefunden wird, ist eine Sensation möglich. Der VfL Günzburg weiß also genau wo er hinfährt und lässt sich auch durch das flippige selbstgewählte Pseudonym “Swedish-Bikini-Team” (mit eigener Homepage) nicht ablenken. Im Handball kommt es nicht auf äußere betörende Kürze an, sondern auf das was drinsteckt: Torhunger und Siegeswille.

Die Erlangerinnen, die auf dem besten Weg sind im Umfeld des all-dominierenden dortigen Männerhandballs den Frauenhandball hoffähig zu machen verfügen über eine junge und talentierte Mannschaft. Einer der Pfründe ist Franziska Peschko, durchschnittlich 8,81 Trefffer markierte die aktuell Führende der Bayernliga-Torschützenliste. Mit 8,80 Toren im Schnitt klebt ihr Lena Götz zwar an der Wurfhand, doch sie darf leider nur verletzt zu schauen. Mit Attila Kardos verfügt der HC überdies über einen der größten bayrischen Frauenhandball- und Aufstiegsexperten. Da ist es besonders gut, das sich der VfL gleich mit zwei Erfolgstrainern, den Kees-Brüdern, auf die Fahrt in die Handballhochburg Franken macht.

Während der VfL am vergangenen Wochenende in bislang ungewohnter Verletzungsmisere quasi gegen das ganze Fichtelgebirge gewann und damit auf die Erfolgsspur zurückkehrte, obsiegten die Erlangerinnen zwar wie (fast) immer, taten sich aber gegen die aufstrebenden Winkelhaiderinnen beim 23:31 schwerer als erwartet. Noch in der 41. Minute stand es in unangenehmer Handballtuchfühlung 18:19. Erst dann konnten sich die Erfolgsverwöhnten nach und nach absetzen. Mal wieder Franziska Peschko mit acht und Viktoria Peters mit sieben Toren waren die Erfolgsgaranten. Trainer Kardos kritisierte danach etliche technische Fehler und eine ungewohnt löchrige Abwehr. Der TSV Winkelhaid deckte die Tormaschine Peschko von Anfang an “frau”. Vielleicht ist das ja eine gute Idee?

Der Kampf David gegen Goliat oder seiner Großnichten liegt dem VfL Günzburg. Ungewohnt viele Handballüberraschungen gelangen den Weinroten in den letzten Jahren auf unterschiedlichsten Spielfeldern. Das Team um Martina Jahn wird alles geben. Leicht will man den Gastgeberinnen die nächsten zwei Punkte auf keinen Fall machen.

Zur Unterstützung der Mannschaft wird ein Fanbus eingesetzt. Er fährt am Samstag um 11.00 Uhr vor der Sporthalle in Günzburg weg. Anmeldungen wie immer an Jürgen Kees oder Dieter Pohl.