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Bayernliga-Handball: TSV Ottobeuren – VfL Günzburg

Bericht vom 14. Dezember 2017

Am Samstag um 20.00 Uhr treten die VfL-Handballer zum Derby beim TSV Ottobeuren an. Unvergessen die Begegnung aus dem Jahr 2016 als die Günzburger in der Landesliga ersatzgeschwächt mit  einem 25 : 31-Auswärtssieg einen riesen Schritt Richtung Bayernligaaufstieg machten. Ein Jahr später zog der Allgäuer Traditionsverein nach und stieg ebenfalls in die bayrische Eliteliga auf. Vor dem Spiel kommen die Schwaben als stolzer Dritter, während die Allgäuer nach der 21:25-Niederlage beim TSV Ismaning vom Vorwochenende die ungeliebte rote Laterne des Tabellenletzten tragen müssen. Auf ein spannendes Spiel können sich die Handballfans dennoch freuen: Mit dem TV Erlangen-Bruck gibt es nur eine Übermannschaft. Der Rest spielt auf Augenhöhe. Das zeigen auch die Ottobeurer Ergebnisse: Als einfach alles gelang wurde die DJK Rimpar mit 37:27 aus der eigenen Halle gefegt, 14 Tage später ein 27:47-Debakel. Kaum verdaut – nur eine Woche darauf ein 35:33-Sieg über den Tabellenzweiten Bayreuth. Verrückte Liga!

Der TSV Ottobeuren gehört zu den Vorzeigevereinen in der südbayrischen Handball-Diaspora. Damen und Herren spielen in der Bayernliga. Vielleicht kommt es im Damenvorspiel ab 17:45 Uhr endlich mal wieder zu einem Wiedersehen mit der Ex-Günzburgerin Ardiana Merditaj, die mittlerweile für den TSV auf Torejagd geht. Die Heimspiele des TSV gehören zum gesellschaftlichen Leben im beschaulichen Ottobeuren, das sonst von seiner imposanten Benediktiner-Abtei bekannt ist. Das hängt mit großer Handballtradition zusammen: Viermal wurden der TSV Bayrischer Pokalsieger, von 1999 bis 2005 war die Regionalliga (heutige 3. Liga) Handballheimat. In dieser „ungarischen Phase“ mit dem späteren VfL-Trainer Andras Pesceyne und den Ausnahmekönnern Gabor Czako und Mihaly More waren Spitzenplätze keine Seltenheit. Der heutige Trainer Daniel Berkessel war in dieser Hochzeit ein gefürchteter Rückraumbomber. Als dann die TSG Söflingen mit Geld und Zweitliga-Ambitionen lockte, folgte für die Allgäuer der Abstieg ins bayrische Oberhaus. Dort wurde bis 2014 oft in unteren Tabellenregionen gekämpft. Der Gang in die Landesliga war auch eine Erlösung von jahrelanger Kämpferei. Nur kurz war die Erholung in der 5. Liga. Mit der Rückkehr von Top-Scorer Patrick Kofler, Vierter der aktuellen Torjägerliste, folgte der schnelle Wiederaufstieg.

Strukturell hat der Traditionsverein wie der gesamte Allgäuer Männerhandball Probleme, es fehlt an einer leistungsbereiten A-Jugend. Jahr für Jahr muss weit nach Spielern Ausschau gehalten werden.

Stephan Hofmeister freut sich auf die Ottobeurer Halle. Mit dem TSV Langenau lieferte er sich dort viele heiße Drittliga-Duelle, einmal gab es sogar eine waschechte Prügelei auf dem Spielfeld. Jahrzehnte danach kann man über diesen körperlichen Zusatzeinsatz junger bayrischer Mannsbilder leise lächeln. Damit ist am Samstag sicher nicht zu rechnen, hitzig wird es aber schon. Die Halle wird voll sein, wenigstens zwei Busse kommen aus der Lego-Stadt. Die Weinroten wollen die gelbe Festung nehmen. Der ungewohnte Blick aus der  Höhe des dritten Platzes macht nicht mehr schwindlig, vielmehr gibt die Schau nach unten Sicherheit und fördert die Partylaune. Der langjährige Zweitliga-Betreuer Jürgen Neuer, mittlerweile wieder bei jedem Heim- und Auswärtsspiel kommt mit dem Wohnmobil. Heiße Würstchen für die Spieler werden darin zubereitet. So eine Parkplatzparty macht mit zwei Punkten in der Trikottasche deutlich mehr Spaß. Das weiß der Günzburger Handballer von einem früheren Ausflug ans Flüsschen Würm als man die Rechnung ohne den Wirt gemacht hatte.

Doch die Gastgeber sind „angeschossen“, solche Gegner sind besonders gefährlich, das weiß nicht nur der Jäger Daniel.. Der nervige Abstiegs-Blues, den nur Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel summen hören,  schwang  in der ganzen Trainingswoche mit. Überall meint man die Fratze des Abstiegsgespenstes frech grinsen zu sehen. Da hilft nur ein Sieg. Schließlich will auch der Ottobeurer endlich mal wieder feiern. Lebkuchen und Glühwein bieten die Verantwortlich zum Weihnachtsausklang an, danach ist Party im Foyer. Das verpflichtet. Gegner aus dem Mittelfeld sind da oft angenehmer.

Es ist alles angerichtet für ein herrliches Handballgefecht zum Abschluss eines phänomenalen Handball-Jahres. „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“; ein geflügeltes Wort, dass schon 1874 zur VfL-Gründung bekannt war, vermittelt zu diesem Spiel die richtige Einstellung.

Der Fanbus fährt von der Bruno-Merk-Halle ab.