Der Favorit verdirbt sich das Fest

Weil den jungen Günzburgern diesmal das richtige Werkzeug fehlt, scheitern sie im Prestigeduell klar. Der Trainer spricht von Überheblichkeit – und ist dennoch nicht vollends unzufrieden mit seinem Bayernliga-Team

Alles war zum Handball-Fest gerichtet. 800 Zuschauer und damit mehr als irgendwann zuvor in dieser Bayernliga-Spielzeit strömten in die Rebayhalle, die meisten von ihnen, um einen Sieg ihrer Weinroten zu sehen. Und tatsächlich startete der gastgebende VfL Günzburg erstmals in der jüngeren Vereinsgeschichte als Favorit in ein Derby gegen den TSV Friedberg. Genau da lag jedoch das Kardinalproblem, sagte Trainer Stephan Hofmeister gestern Abend unmittelbar nach dem ernüchternden 23:26 (11:16): „Das hat zu falschen Schlüssen geführt und diese Überheblichkeit hat uns nicht gutgetan.“ Insgesamt, so Hofmeister weiter, schmeichelte das Endergebnis den Seinen sogar.

So hart sich das anhören mag, es trifft den Kern. Diesmal scheiterte die nach wie vor jüngste Mannschaft der Liga an einem routinierten Gegner, der voll konzentriert und mit dominanter Körpersprache zum ersten Spiel im Kalenderjahr antrat, der einen überlegenen Matchplan mit in die Rebayhalle brachte und der mit den besseren Einzelspielern glänzte. Entschieden wurde die Sache bereits in der ersten Halbzeit, als die Günzburger vor allem den rechten Rückraumspieler der Gäste, Thomas Wagenpfeil, überhaupt nicht in den Griff bekamen. „Er hat mit unserer gesamten Abwehr gemacht, was er wollte“, analysierte Hofmeister mit missmutiger Miene. Und im eigenen Angriff kamen die Außenspieler nicht so zum Zug, wie es die Günzburger gewöhnt sind. Was nicht allein ihre Schuld war, wie Hofmeister festhielt: „Es lag schon auch am überragend haltenden Friedberger Torwart Benjamin von Petersdorff.

Schnell deutete sich an, dass es kein leichter Tag für die Weinroten werden würde. Den ersten Wurf der Gäste parierte Torwart Patrick Bieber (neben Manuel Scholz und Stefan Knittl einer von drei Günzburgern mit einer Vergangenheit im Friedberger Trikot), danach trafen die Gäste zeitweise nach Belieben. Schnell stand es 0:3 (4.). Ein Strohfeuerchen später, beim 4:5, sah die Sache kurzzeitig freundlicher aus. Doch Friedberg kombinierte gleich wieder, was das Zeug hielt, erzielte ein Zaubertor zum 4:9 (14.) und als Fabian Abstreiter ein sagenhaftes No-Look-Anspiel gelang, ließ sich der Günzburger Michael Jahn zu einer Ringereinlage hinreißen, die ihm zwei Minuten Zeitstrafe einbrachte (er schrammte mit dieser Aktion haarscharf an der Roten Karte vorbei, ließ sich das Schiedsrichtergespann entlocken). Beim 5:11 sprach Günzburgs Tausendsassa Siegfried Walburger davon, nun sei „schon ein dickes Brett zu bohren“, wolle man den Rückstand noch aufholen. Doch davon blieben die Weinroten weit entfernt; ihnen fehlte schlicht das Werkzeug. So blieb es in etwa beim Status quo.

Hoffnung auf eine Aufholjagd machte den Günzburgern an sich nur, dass Wagenpfeil nach dem Seitenwechsel nicht zurück aufs Feld kam. Der Günzburger Youngster Jakob Hermann hatte ihn drei Sekunden vor Schluss der ersten Halbzeit von hinten niedergestreckt – man konnte es gerade noch so als „normale Derby-Härte“ durchgehen lassen. Doch weiterhin erwies sich der Günzburger Rückraum als zu wenig durchschlagskräftig, leisteten sich die Weinroten zu viele Fehlwürfe. Näher als auf vier Tore Rückstand konnten sich die Gastgeber bis in die letzte Spielminute hinein nie mehr heranarbeiten. Friedberg spielte die Sache clever nach Hause, begann auch früh damit, bei eigenem Ballbesitz das Zeitfenster voll umfänglich zu nutzen und warf praktisch nur noch die ganz sicheren Dinger. Das genügte locker.

Vorzeitig aufgeben musste gestern Stefan Knittl. Er verletzte sich am linken Knie; nach einer ersten Diagnose zog er sich einen Muskelfaserriss und eine Innenbandverletzung zu. Doch es gibt auch Personalnachrichten, die Hofmeister zuversichtlich stimmen. Nach der nun anstehenden Drei-Wochen-Spielpause werden Patrick Rösch und Daniel Jäger wieder dabei sein. „Das wird uns zusätzliche Stabilität verleihen“, freut sich der Coach. Lobend erwähnte er auch die Auftritte seiner Nachwuchsakteure Jonas Guckler und Jakob Hermann; beide hätten gegen Friedberg couragierte Leistungen gezeigt. Dass sein Team mit nun 18:10 Zählern vorerst Tabellendritter in Bayerns höchster Spielklasse bleibt, feierte Hofmeister mit einer Extra-Dosis Schnupftabak.

VfL Günzburg: Bieber, Mendle; Knittl (2/1), Guckler (2), Jahn (1), Buck, Leix (1), J. Hermann (3), Groß (2), Jensen (7), Lehr, N. Hermann (3), Scholz (2)

(Bericht aus der Günzburger Zeitung)